Wirtschaft : Der Bankertipp: Die Verunsicherung der Anleger bleibt groß

Harm Bischoff ist Geschäftsbereichsleiter Pri

Harm Bischoff ist Geschäftsbereichsleiter Privat- und Geschäftskunden der HypoVereinsbank Berlin-Brandenburg.

Trotz des Überwindens der Marke von 4800 Punkten im Dax sehen wir kurzfristig kein signifikantes Potenzial an den Aktienmärkten. In der zu Ende gegangenen Woche legten die Aktienkurse deutlich zu. Verantwortlich hierfür waren die Zinssenkungen führender Notenbanken und die darauf aufbauenden Konjunkturhoffnungen. Die amerikanische Zentralbank eröffnete den Zinssenkungsreigen und reduzierte die Fed-Funds-Rate um 50 Basispunkte auf jetzt nur noch 2,0 Prozent. Später schlossen sich die Bank von England und die Europäische Zentralbank an. Der nachlassende Preisdruck in der Eurozone - nach vorläufigen Berechnungen fällt die Inflationsrate hier im Oktober auf 2,4 Prozent - und die sehr schwachen Wirtschaftsdaten der jüngsten Vergangenheit ermöglichten es auch der EZB, den sich bietenden Zinssenkungsspielraum zu nutzen. Sie verringerte ihren Hauptrefinanzierungssatz ebenfalls um 50 Basispunkte auf jetzt 3,25 Prozent. Der Flugzeugabsturz am Montag in New York sorgte aber wieder für Turbulenzen an den internationalen Aktienmärkten. Im Augenblick deuten die Augenzeugenberichte auf einen Unfall hin. Doch die Reaktion der Märkte zeigt, wie tief die Verunsicherung seit dem 11. September reicht und wie gefährdet das mühsam erreichte Kursniveau ist. Der Dax befindet sich in einer Range zwischen 4800 und 5200. Nach den Zinssenkungen der letzen Woche dürfte die Unterstützung durch die bislang per saldo im Rahmen der Erwartungen ausfallenden Gewinne im 3. Quartal auslaufen. Vielmehr ist zu erwarten, dass die Ergebnisse des 4. Quartals stärker in den Vordergrund rücken werden, für die ab den nächsten beiden Wochen bereits erste Gewinnwarnungen möglich sind. Wir erwarten, dass das 4. Quartal bezogen auf das BIP-Wachstum im Quartalsvergleich das schwächste im laufenden Zyklus sein wird. Von daher ist im Vorfeld der Ergebnisveröffentlichungen mit negativen Überraschungen zu rechnen. Wir gehen daher weiter davon aus, dass sich die Aktienmärkten zunächst weitgehend seitwärts entwickeln werden.

In der laufenden Woche stehen das Opec-Meeting in Wien und die Abstimmung des Bundestags über den Kampfeinsatz der Bundeswehr im Blickpunkt. Vor dem Hintergrund der Ölförderkürzungen ist eine Stabilisierung des Ölpreises am unteren Rand des Zielkorridors von 22 bis 25 Dollar wahrscheinlich. Am Donnerstag wird der Deutsche Bundestag über den Einsatz deutscher Soldaten abstimmen. Laut Umfragen unter den Abgeordneten ist eine Mehrheit der Koalition aus eigener Kraft in Frage gestellt. Ein Bruch der Regierungskoalition würde den Aktienmarkt belasten. Die Phase der politischen Unsicherheit ist mit der Abstimmung am Donnerstag nicht beendet, denn die Entwicklung in Afghanistan ist weiter brisant. Die Unsicherheit ist ein zusätzliches Argument, das auf Sicht der kommenden Wochen für eine Konsolidierung und gegen eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung spricht.

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