Wirtschaft : Der Bankertipp: Die Zeit ist reif, um neue Positionen aufzubauen

Die positive Entwicklung an den Weltbörsen in der vergangenen Woche könnte vermuten lassen, dass die Talfahrt der Aktienkurse abgeschlossen ist. Gewinnwarnungen von Unternehmen und reduzierte Prognosen von Wirtschaftsforschungsinstituten führen nicht mehr automatisch zu sinkenden Aktienkursen. Die lange Zeit gescholtenen TMT-Titel (Technologie, Medien und Telekommunikation) sind in das Interesse der Anleger zurückgekehrt. Die Optimisten halten jetzt dagegen, betonen die gar nicht so schlechten konjunkturellen Rahmenbedingungen, während die Schlagzeilen in der Presse noch zurückhaltende Meinungen widerspiegeln. Die ausgebliebene - und übrigens von uns jetzt noch nicht erwartete - Zinssenkung seitens der EZB verursachte am Aktienmarkt nur minutenlang eine Irritation, dann nahmen die europäischen Indizes ihre Aufwärtsbewegung wieder auf.

Noch ist es zu früh, von einer Trendwende zu sprechen. Zuviel Anlegervertrauen ist beschädigt worden, zu hoch sind noch die Börsenbewertungen einzelner Unternehmen. Positiv ist, dass gute Unternehmensmeldungen oder Fusionspläne wieder mit steigenden Kursen honoriert werden wie zuletzt bei Eon gesehen, nachdem der Versorger ein Übernahmeangebot für die britische Powergen abgegeben hatte.

Die Stimmung hat sich gedreht, nachdem die Märkte beachtliche Risiken bereits in den Kursen berücksichtigt hatten. Wir erwarten eine Stabilisierung der US-Konjunktur zur Jahresmitte aus folgenden Gründen: Erstens werden durch aggressive Zinssenkungen der US-Notenbank Fed expanisve Impulse hervorgerufen, zweitens werden die Steuersenkungen in den USA das Verbrauchervertrauen stabilisieren und drittens ergeben sich strukturelle Wachstumsimpulse aus dem Einsatz neuer Technologien. In Verbindung mit der hohen Liquidität der institutionellen Anleger sollte auf Sicht von zwölf Monaten daraus ein neuer Aufschwung an den Weltbörsen entstehen.

Ein guter Zeitpunkt, um erste Positionen im Bereich der TMT-Werte aufzubauen. Allerdings sollen sich Anleger auf Aktien konzentrieren, die Gewinne im operativen Geschäft erzielen, eine klare strategische Ausrichtung haben und möglichst Marktführer in ihrem Bereich sind. Besonders aussichtsreich erscheint mir die Aktie des französischen Medienkonzerns Vivendi Universal, der nach der Fusion mit der Mediensparte des kanadischen Seagram-Konzerns allein in 2000 den operativen Gewinn um 40 Prozent steigern konnte. Der Vorstand zeigt sich zuversichtlich, auch in den kommenden Jahren ein ähnlich hohes Wachstum auszuweisen. Als vielversprechenden Standardwert unter den europäischen Technologietiteln sehe ich momentan die Siemens-Tochter Epcos. Die Aktie hat den kurzfristigen Abwärtstrend gebrochen und eine Bodenbildung vollzogen. Nach sehr guten Zahlen für das erste Quartal 2001 sind auch die Aussichten für das laufende Geschäftsjahr positiv.

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