Wirtschaft : Der Bankertipp: Nach der Talfahrt atmen die Weltbörsen durch

Der Autor Thomas Kurze ist im Vorstand der Bankges

Nach den Kurseinbrüchen im März und Anfang April hat sich die Lage an den Börsen im Mai ein wenig beruhigt. Solide Quartalszahlen großer Unternehmen und gute Wirtschaftsdaten untermauern diese Konsolidierung. Die Zinssenkungen in den Vereinigten Staaten und zuletzt auch im Euro-Raum haben zugleich die Voraussetzungen für eine Stabilisierung der Wirtschaft geschaffen. Aber Stabilisierung heißt nicht Trendwende! Mit Ausnahme des Dow Jones Index befinden sich alle namhaften Aktienindizes nach wie vor in einer Abwärtstendenz.

Die zuletzt zu beobachtende "Bear Market Rallye" hat lediglich die Übertreibung nach unten gestoppt. In der Vergangenheit haben solche Phasen zu Beginn einer Bodenbildung häufig mehrere Monate angehalten. Anleger sollten angesichts der nach wie vor vorhandenen Konjunkturprobleme in den USA auch nicht mit einer schnellen Trendwende rechnen. Investoren sind gut beraten, sich weiterhin auf eine volatile Bodenbildungsphase einzustellen, die noch einige Wochen oder Monate anhalten kann.

Dies ist die Zeit, sich die eigene Anlage-strategie ins Gedächtnis zu rufen und zu überprüfen. Die sehr defensive Strategie, die ich seit dem Frühjahr des vergangenen Jahres verfolge, hat sich angesichts der Kurseinbrüche seit März 2000 bewährt. Anfänglich lag der Schwerpunkt im Bereich der Pharmawerte und Finanzdienstleister sowie ausgewählter Dax-Aktien wie Henkel (plus 14 Prozent seit Empfehlung Ende April 2000), BASF (plus 13 Prozent seit Ende Juni) und Thyssen-Krupp (minus 11 Prozent seit Ende Mai). Gleichzeitig brach der Dax allerdings um 13 Prozent ein. Später mischte ich ab Herbst 2000 vorsichtig erste Aktien aus dem Technologiebereich wie Philips und Epcos hinzu. Gerade diese beiden Unternehmen gehören trotz ihrer Abhängigkeit von der Konjunktur im Halbleitersektor zu ausgewiesenen Qualitätswerten. Deshalb emfpahl ich im Februar (Philips) und April (Epcos) - eine Einstandsverbilligung auf einem sehr günstigen Kursniveau. Seither haben sich beide Aktien etwas besser geschlagen als Dax und Euro Stoxx 50.

Vor dem Hintergrund der "Riester-Rente" erscheinen Finanzwerte attraktiv. Während sich in den letzten zwölf Monaten Bankakti-en sehr ordentlich geschlagen haben, ent-täuschten Assekuranz-Titel wie etwa die Allianz. Dabei sind die zusätzlichen Vertriebsmöglichkeiten gerade der Allianz nach der vorgesehenen Übernahme der Dresdner Bank bislang kaum berücksichtigt. Wie schon oft in der Vergangenheit orientiert sich die Börse zunächst an den Kosten der Fusion. Vergessen scheint die Steuerreform, die es der Allianz und anderen Versicherern sowie Finanzdienstleistern gestattet, ab dem nächsten Jahr den Beteiligungsbesitz steuerfrei zu veräußern. Damit wird der wahre Wert der Branchenunternehmen sichtbar. Dies dürfte mittelfristig auch zu einer vernünftigen Bewertung führen.

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