Wirtschaft : Der Bauernkrieg findet nicht statt

MARGARITA CHIARI

Der Streit um den Verkauf der Äcker, Wälder und Wiesen in Ostdeutschland wird die Republik - und viele Anwälte - noch Jahrzehnte beschäftigen. Spätestens seit die Brüsseler EU-Kommission gegen die Verkaufsmodalitäten Einspruch einlegte und Änderungen verlangte, dürfte klar sein, daß der Landverkauf sich noch eine Weile hinziehen wird. Denn egal, wie die Lösung aussehen wird, an der die Ministerialbeamten nun feilen - sicher scheint nur, daß auch sie wieder die Gerichte beschäftigen wird. Die Ansprüche von Alteigentümern, die Erwartungen von Landwirten und die Förderbedingungen des Staates gehen zu weit auseinander, als daß sich die Sache einvernehmlich regeln ließe. Und doch hat die Intervention der EU-Kommission gegen die Praxis des ostdeutschen Landverkaufs ein Gutes: Der Bauernkrieg ist vorerst abgesagt, getobt wird nur noch in den Amtsstuben.Verkauf findet derzeit nicht statt. Und je länger der Streit währt, desto eher werden die Landwirte, die die Äcker jetzt bewirtschaften, vielleicht in der Lage sein, die nötigen Finanzmittel für den Kauf aufzubringen - auch wenn sie nicht mehr oder nur eingeschränkt in den Genuß der staatlichen Vorzugskonditionen kommen sollten. Noch ist keineswegs ausgemacht, daß die LPG-Nachfolgegesellschaften, vor allem aber auch die vielen kleinen Neueinrichter am Ende zu den Verlierern des Flächenverkaufs zählen werden.Wirklich bitter ist das Tauziehen eigentlich nur für den Bund - und die Steuerzahler. Die Bewirtschaftung und Verwaltung vor allem der Wälder ist verlustreich und teuer. Mit jedem Tag, um den sich der Verkauf verzögert, wird auch die Hoffnung geringer, wenigstens mit dem Verkauf der Äcker und Wälder Geld für die öffentlichen Kassen zu mobilisieren.

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