Wirtschaft : Der BDI-Präsident und Lieblingsfeind der Gewerkschaften im Porträt

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Bequem ist er nicht. Aber dafür hat er meist Recht. Hans-Olaf Henkel mahnt seit Mitte der 90er Jahre den Umbau der Deutschland AG an. Man darf ihm die Befriedigung gönnen, mit der er jetzt erste Ansätze in diese, in die richtige Richtung registriert. Es sind vor allem drei große Themen, für die der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) beständig, fast penetrant, wirbt: Eine radikale Steuerreform, ein Wettbewerbsföderalismus und ein Bruch des Tarifkartells seien nötig, um Deutschland im Wettbewerb der Standorte wieder nach vorne zu bringen. Regelmäßig legt er sich dabei nicht nur mit wichtigen und mächtigen Interessengruppen an, sondern auch mit dem Mythos des Rheinischen Kapitalismus. Der nämlich besagt, Konsens, nicht Wettbewerb, sei das Erfolgsrezept des Nachkriegswachstums in Deutschland. Selbst wenn es so wäre, kontert Henkel: Unterdessen sei aus Dynamik Erstarrung geworden. Der beste Beweis ist die bleibend hohe Arbeitslosigkeit hier zu Lande. Man hat Henkel das Wort von der deutschen "Konsenssose" zugeschrieben. Er bestreitet das. Aber der Sache nach meint er es so.

Die Gewerkschafen haben Henkel zum Präsidenten des Turbokapitalismus ausgerufen; er ist ihr Lieblingsfeind Nummer Eins. Das wird man den Arbeitnehmerfunktionären nicht verdenken können. Denn, ginge es nach Henkel, muss der Gesetzgeber den Verbänden ihre Privilegien und Monopolrechte nehmen. Das würde sie empfindlich schwächen. Heikel ist Henkels Konflikt mit der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Er hat erfolgreich gegen die Wahl des ehemaligen BDA-Präsidenten Klaus Murmann an die Spitze der Europäischen Arbeitgeberverbände intrigiert, um Europa vor der Einführung allgemeingültiger Sozialstandards zu bewahren. Auch das Verhältnis zum amtierenden BDA-Chef Dieter Hundt ist, vorsichtig gesprochen, nicht frei von Spannungen, schon allein deshalb, weil Henkel sich selbstbewußt ständig in Hundts Geschäft einmischt. Viel weniger als viele Lobbyisten hat sich Henkel auch vor 1998 nie der regierenden CDU angebiedert. Wenn er jetzt manchmal der SPD Freundlichkeiten zuruft, muss man ihn deshalb auch nicht gleich der Fraternisierung bezichtigen.

Im Hauptberuf hat der BDI-Präsident es bis zum Chef der IMB Europa in Paris gebracht. Zuvor stand er lange Jahre der Geschäftsführung der IBM Deutschland vor. Henkel liebt das Unkonventionelle und legt Wert auf erlesenen Geschmack. Zu Cubas Präsident Fidel Castro hat er ein vertrautes Verhältnis, nicht nur der guten Zigarren wegen. Stolz ist er auf seine Berliner Wohung über den Dächern von Mitte, mit Japanischem Garten und Badewanne des Designers Phillip Starck. Henkels Amszeit beim BDI geht bis Ende dieses Jahres. Am 14. März feiert er seinen 60. Geburtstag.

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