Wirtschaft : Der Bernanke-Standard

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Die Reaktionen auf die Nominierung Ben Bernankes zum neuen Präsidenten der USNotenbank zeigen, wie sehr sich der Markt an die Politik Alan Greenspans gewöhnt hat und eine Fortsetzung seiner Arbeit will. Bernankes Aufgabe ist nicht leicht, denn es gibt keinen „Greenspan-Standard“, den er übernehmen könnte. Auch wenn Greenspans Methoden größtenteils erfolgreich waren, gab es Fehlgriffe. So ließ die US-Notenbank in den späten Achtzigern die Preise ansteigen, was sie später zwang, die Geldproduktion zu drosseln, und so zur Rezession in den frühen Neunzigern beitrug.

Auch die neue Beliebtheit der Inflation ist ein Fehler, den Greenspan seinem Nachfolger hinterlässt. Dieser Fehler ist jedoch auch auf Bernanke selbst zurückzuführen, der die „Deflation“ fürchtete und deswegen gegen eine Reduktion des Geldflusses war. Jetzt muss die Bank den Geldhahn zudrehen – Konsequenzen unbekannt.

Bernankes Posten bringt es mit sich, dass er als Chefökonom der USA angesehen wird und sich zu allen Belangen von der Steuerpolitik bis zur nationalen Hypothekenbank äußern wird. Hier war Greenspan informativ und erklärte zum Beispiel die Vorteile der Kürzung der Kapitalertragsteuer.

Bernanke will Bushs Steuerkürzungen permanent installieren. Er unterstützt den Freihandel, und er scheint für eine Steuerreform zu sein. Unklar ist, wie er zum internationalen Währungssystem steht und was er von stabilen Wechselkursen hält. Als Chef der größten Notenbank der Welt wird er mehr als eine internationale Finanzkrise erleben.

Ein Vorteil der heutigen Wirtschaft ist, dass der Markt durch seine Entwicklung täglich ein Urteil über die Wirtschaftspolitik fällt. Bernanke hat die erste Reaktion auf seine Wahl überlebt. Für seine eigene Geldpolitik ist ihm alles Gute zu wünschen.

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