Wirtschaft : Der beste Dax seit sechs Jahren

Veronika Csizi

Die großen Banken lagen wieder einmal daneben: Keine einzige wagte es vor einem Jahr, einen Dax von mehr als 5000 Punkten für 2005 vorauszusagen. Zum Handelsschluss am Donnerstag stand der Index bei 5459 Zählern – etwa 900 Zähler über den meisten Schätzungen. Mit einem Plus von gut 28 Prozent können Anleger auf das beste Börsenjahr seit 1999 zurückblicken. Im M-Dax der mittelgroßen deutschen Werte war mit rund 37 Prozent sogar noch mehr zu holen. Profitiert haben davon mehrheitlich ausländische Investoren: Die als Heuschrecken titulierten amerikanischen und britischen Private-Equity-Firmen und Hedge- Fonds haben im vergangenen Jahr in Deutschland offiziell mehr als 30 Milliarden Euro investiert. Deutsche Privatanleger zogen hingegen Geld aus Aktienfonds ab. Auch am Jahresende bleibt die von vielen erwartete Kurskorrektur aus. Der Grund: Die Gewinne der 30 Dax-Unternehmen, die ihre Umsätze mehrheitlich im Ausland erwirtschaften, stiegen 2005 im Schnitt um 50 Prozent. Der Dax bleibt damit trotz des Kursanstiegs niedriger bewertet als zu Jahresbeginn. Er schaffte es nicht nur, sich von der schwachen, per Saldo 2005 nahezu unveränderten New Yorker Börse abzukoppeln, sondern widersetzte sich auch Ölpreisen von 70 Dollar je Barrel, konjunkturellen Krisenszenarien sowie Ängsten vor steigender Inflation und steigenden Leitzinsen.

Verlierer des Jahres mit einem Verlust von rund 15 Prozent ist die Telekom, die vor allem in der Festnetzsparte Marktanteile verlor. Auch Infineon und Altana schafften nicht den Weg ins Plus. Umgekehrt bescherte die Deutsche Börse ihren Anlegern fast eine Kursverdoppelung. Dafür waren vor allem Hedge-Fonds verantwortlich, die einen Machtkampf um die Übernahme der britischen Börse gewannen. Mit knapp 80 beziehungsweise rund 60 Prozent Plus stehen auch Commerzbank und MAN auf dem Siegertreppchen. Insgesamt schafften es 15 der 30 Dax- Aktien, den Index zu schlagen.

Für 2006 bleiben viele Banken optimistisch. Mit 5692 Punkten sehen die Analysten im Schnitt zwar ein viertes positives Aktienjahr, dabei aber nur ein Aufwärtspotenzial von rund 230 Zählern. Hauptargument der Optimisten: Die Ertragssituation der Dax-Firmen werde sich weiter verbessern, auch in Deutschland deuten Frühindikatoren einen kleinen Aufschwung an. Das Wirtschaftswachstum beziffern die Banken im Schnitt auf 1,6 Prozent. Auf ihrer Rechnung haben die Analysten vor allem Pharma- und Finanzaktien, die noch moderat bewertet sind und von der Alterung der Gesellschaft und der steigenden Nachfrage nach Altersvorsorge-Produkten profitieren könnten. Auch Versorger bleiben wegen anhaltend hoher Energie- und Rohstoffpreise wohl gefragt. Den profitabelsten Anlagezeitraum sehen die Experten unisono im ersten Halbjahr 2006. Im Herbst könnten dann wieder Kursverluste drohen.

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