Wirtschaft : „Der Beste soll den Job machen“

Bayer-Chef Wenning verteidigt die Übernahme des Berliner Pharmakonzerns Schering und sagt, wer künftig die Macht hat

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Herr Wenning, Sie haben Schering-Chef Hubertus Erlen am 13. März angerufenund ihm gesagt, dass Sie ein Gebot für Schering überlegen – das war kurz nachdemMerck ihm eine unerwünschte Übernahmeofferte gemacht hat. Was hat er gesagt?

Sie werden Verständnis haben, dass ich nicht über alle persönlichen ReaktionenAuskunft geben kann. Wir haben kurz telefoniert und uns dann für den Donnerstagverabredet.

Warum haben Sie denn nicht früher angerufen bei Schering? Die Aktie warschon mal sehr viel billiger zu haben.

Wir haben in den letzten drei Jahren …

… nach dem Skandal um Ihren Blutfettsenker Lipobay, der Bayer in die schwersteKrise seiner Geschichte gestürzt hat ...

... eine umfangreiche Restrukturierung hinter uns gebracht. Wir haben dabei die gesamte Organisation umgebaut, eine Holding-Struktur eingeführt, das Portfolio verändert, Kostenstrukturen verbessert, Schulden abgebaut, neue Unternehmensteile gekauft und im vergangenen Jahr wieder ein Ergebnis gehabt, das an die Rekordjahre der alten Zeit angeknüpft hat. Und darum war jetzt der richtige Moment, um unser Pharma-Geschäft zu erweitern.

Sie haben sich dann mit Herrn Erlen für Donnerstag verabredet. Wie redetman denn mit jemandem, der eigentlich nicht übernommen werden will?

Ich werde die Details unseres Gespräches hier nicht öffentlich diskutieren. Aber mir ist klar, dass es für Herrn Erlen und für das Management von Schering eine sehr schwierige Situation war. Ich habe dennoch sehr sachorientierte und faire Gesprächspartner gefunden. Ich habe großen Respekt vor der Art und Weise, wie Schering das gehandhabt hat. Und mir ist auch bewusst, dass es sich um zwei Unternehmen handelt, die eine jahrzehntelange Historie haben. Wir sind beide weit über 100 Jahre alt.

Was hat Schering davon, mit Ihnen statt mit Merck zusammenzugehen?

Schering kann mit uns zusammen ein Pharma-Unternehmen bilden, das in der Lage sein wird, im Spezialitätengeschäft eine wichtige Position einzunehmen. Wir werden weltweit an siebter Stelle liegen.

Sie zahlen 16,3 Milliarden Euro und machen dafür viele Schulden. SchließenSie den Verkauf einzelner Sparten aus?

Wir zahlen einen guten und angemessenen Preis. Und wir haben nach heutiger Betrachtungsweise keine Absicht, hinterher Teile des kombinierten Geschäfts zu verkaufen.

Viele Analysten sind eher skeptisch bei der Kombination Schering/Bayer.Warum glauben Sie, dass beide Unternehmen zusammen funktionieren?

Uns macht sehr zuversichtlich, dass beide Geschäfte strategisch gut zusammenpassen und wir daher mehr Wachstum erwarten können.

Hätten Sie Schering das Angebot auch gemacht, wenn Merck nicht vorher angegriffenhätte?

Die Frage stellt sich für uns nicht. Wir sind davon überzeugt, dass gerade in einem Gesundheits-Geschäft das Zusammengehen von zwei Organisationen sehr davon abhängt, dass es von beiden Partnern auch gewollt wird.

Haben Sie das Ziel, einen nationalen Champion zu schaffen?

Wir wollen vor allem ein Unternehmen entwickeln, das sich im weltweiten Spezialitätengeschäft erfolgreich schlagen wird. Natürlich ist es aber auch gut und richtig für den Standort Deutschland, dass hier wieder ein Pharmaunternehmen entsteht, das in der Welt besser dasteht als jedes für sich allein.

Welche Rolle hat der Standort Berlin bei den Verhandlungen gespielt?

Eine große natürlich. Es war mir von vornherein klar, dass Berlin ein sehr sensibler Punkt sein würde. Wir haben uns daher gemeinsam entschieden, das kombinierte Pharmageschäft unter dem Namen Bayer-Schering-Pharma in Berlin anzusiedeln. Das macht auch Sinn: Schering hat einen Umsatz von 5,3 Milliarden Euro, wir liegen bei rund vier Milliarden Euro. Daher war uns mit Blick auf das Pharmageschäft schnell klar, dass wir den Sitz in Berlin haben wollten. Aber der Sitz für den Gesamtbereich Gesundheit bleibt bei uns in Leverkusen.

Werden Sie künftig noch weitere Sparten nach Berlin verlegen?

Es werden sicherlich auch globale Funktionen des Pharmageschäfts in Berlin angesiedelt.

Heißt das, Berlin könnte am Ende mehr Arbeitsplätze haben als jetzt?

Ich will und kann über die Verteilung von Arbeitsplätzen nicht spekulieren. Das werden wir mit Schering zusammen entscheiden. Nur so viel: Es wird beim Integrationsprozess keine Gewinner und Verlierer geben. Ich habe mich mit Herrn Erlen klar darüber verständigt, dass der Beste den Job machen soll – unabhängig, von welchem Unternehmen er kommt. Wir wollen das fair und mit Augenmaß durchführen.

Bleibt Herr Erlen?

Es ist nicht der Zeitpunkt, um Spekulationen darüber anzustellen.

Wo wird die Bayer-Schering-Pharma AG künftig ihre Steuern bezahlen?

Da, wo die Gewinne anfallen.

Sie haben gerade drei Jahre Restrukturierung hinter sich. Warum tun Siesich diesen Kraftakt jetzt noch einmal an?

Wir haben nach dem Umbau eine sehr gesunde Basis für unser Geschäft geschaffen. Jetzt geht’s weiter nach vorne.

Das Gespräch führten Maren Peters und Ursula Weidenfeld.

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