Wirtschaft : „Der Betriebsrat von VW lässt sich nicht kaufen“

Volkert-Nachfolger Osterloh spricht von Verleumdungen/Personalchef Hartz: Vorstand wusste nichts von Vorgängen

Alfons Frese

Berlin - Der VW-Betriebsrat hat sich vehement gegen Berichte gewehrt, wonach der Betriebsrat geschmiert worden sei. „Das sind grenzenlose Verleumdungen, gegen die wir uns mit allen Mitteln zur Wehr setzen werden“, kündigte Bernd Osterloh an, der am Dienstag zum Betriebsratsvorsitzenden gewählt wurde.

Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte unter Berufung auf „Firmen-Insider“ berichtet, auf Kosten von VW seien Betriebsräten „Luxus-Nutten“ zugeführt worden. In Konzernkreisen wurde dem Tagesspiegel bestätigt, dass Prostituierte bei VW-Veranstaltungen zugegen waren. „Niemandem im Vorstand sind solche Vorgänge bekannt, und niemand im Vorstand hätte sie gebilligt“, sagte dagegen VW-Personalvorstand Peter Hartz in einer Erklärung. „Ich weise die Verunglimpfungen aufs Schärfste zurück.“

Angesichts der neuen Vorwürfe in der Schmiergeldaffäre um Ex-Skoda-Personalchef Helmuth Schuster drückt das Unternehmen bei den Bemühungen um Aufklärung aufs Tempo. VW habe deutlich gemacht, dass die Bemühungen der Ermittler „sehr offensiv und sehr kooperativ“ unterstützt würden, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig, Klaus Ziehe. Parallel dazu läuft die VW-interne Untersuchung durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG.

Gegen Schuster und Klaus Joachim Gebauer aus dem Personalwesen in Wolfsburg ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Betrug und Untreue. Beide sollen Gelder über ein Geflecht von sechs getarnten Firmen in unterschiedlichen Ländern umgeleitet haben. Im Zusammenhang mit der Affäre war vergangene Woche überraschend der VW-Betriebsratsvorsitzende Klaus Volkert zurückgetreten. Am Dienstag erklärte Volkert über seine Anwälte, er habe „mit Bestürzung erfahren müssen, dass die mir über viele Jahre gemeinsamer Arbeit für den VW-Konzern verbundenen Herren im Verdacht stehen, durch Manipulation und Einschaltung eines Geflechts von Tarnfirmen Geldleistungen (...) zum Nachteil ihrer Arbeitgeber ermöglicht zu haben“. Er habe mit diesen Vorgängen nichts zu tun.

Gleichzeitig räumte Volkert ein, sich „auf Drängen der Herren Dr. Schuster und Gebauer“ an einer Gesellschaft F-Bel beteiligt zu haben, die sich um die Einrichtung eines Skoda-Forums in Prag beworben habe. Das Projekt sei aber nie umgesetzt und die Gesellschaft inzwischen aufgelöst worden. „Ích habe im Zusammenhang mit dieser Gesellschaft keinerlei finanzielle Vorteile erhalten oder – zum Nachteil der VW AG – anderen Personen ermöglichen wollen“, erklärte Volkert weiter.

Sein Nachfolger Bernd Osterloh sagte nach seiner Wahl, er übernehme das Amt des Betriebsratschefs „in einer Zeit, die vermutlich die härteste Belastungsprobe für die Betriebsrats- und Gewerkschaftsarbeit bei Volkswagen bedeutet“. Er sei „überaus wütend, dass vielleicht einzelne den Ruf der Mitbestimmung bei Volkswagen so geschadet haben, dass ich mich eigentlich nicht zur Wahl stellen wollte“. Osterloh bezeichnet es als unfair gegenüber dem Betriebsrat und der Belegschaft, „dass jeden Tag von interessierten Kreisen eine neue Sau durch das Dorf getrieben wird“. Korruptionsvorwürfe sollten konkret vorgebracht werden. Allgemeine Beschuldigungen und Verleumdungen dienten dagegen politischer Stimmungsmache.

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) forderte mit Blick auf Personalchef Hartz eine „ergebnisoffene“ Untersuchung. „Niemand ist sakrosankt, niemand bekommt einen Persilschein, niemand bekommt Absolution, während ermittelt wird“, sagte Wulff, der auch im VW-Aufsichtsrat sitzt. „Und da einige Vorgänge in der Zuständigkeit von Herrn Hartz liegen, muss ergebnisoffen untersucht werden.“

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