Wirtschaft : Der britische Mobilfunkbetreiber kostet 20 Milliarden Mark

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Bei der Suche nach einer geeigneten Akquisition ist der Chef der Deutschen Telekom, Ron Sommer, fündig geworden: Für 19,7 Mrd. DM kauft der größte europäische Telekommunikationskonzern den britischen Mobilfunkbetreiber One-2-One. Der Telekom-Aufsichtsrat und die Wettbewerbsbehörden müssen noch zustimmen.

Zusätzlich zum Kaufpreis übernimmt die Telekom Schulden von 600 Mill. DM. Weitere Verbindlichkeiten in Höhe von 4,5 Mrd. DM verbleiben bei One-2-One. Damit hat die Telekom die rund 21 Mrd. DM, die der zweite Börsengang im Juli in die Kassen des Ex-Monopolisten spülte, bereits ausgegeben. "Dies ist eine Akquisition von zentraler Bedeutung für die Deutsche Telekom", sagte Sommer. "Sie erfüllt zwei der Kernanforderungen unserer Wachstumsstrategie." Zum einen werde so die Expansion des Mobilfunkgeschäfts in Europa fortgesetzt, zum anderen gewinne die Telekom eine starke Präsenz und eine solide Wachstumsbasis in Großbritannien, "einem der vorrangigen Märkte in Europa". One-2-One ist ein Spätstarter und auf dem britischen Markt die Nummer vier mit einem Marktanteil von 16 Prozent. Allerdings wächst One-2-One schnell. Allein im zweiten Quartal 1999 wurden mehr als 400 000 Neukunden gewonnen.

Obwohl das Geschäft boomt und es viele Bewerber um One-2-One gab, hatten die beiden Eigentümer, das britische Telekommunikationsunternehmen Cable & Wireless und die amerikanische Mediengruppe MediaOne (beide halten bisher 50 Prozent an dem Joint-Venture), Probleme beim Verkauf: Ursprünglich verlangten sie 33 Mrd. DM für One-2-One. Die Telekom und die anderen Interessenten France Télécom, Mannesmann, Telecom Italia und die französische Vivendi winkten ab. Jetzt freute sich MediaOne-Chef Gary Ames auch über die 20 Mrd. DM: "Dies ist ein großartiger Preis für ein großartiges Unternehmen", sagte er.

Auch Telekom-Chef Sommer kann erleichtert sein. Nach der geplatzten Fusion mit Telecom Italia hatte es zwar viele Gerüchte gegeben. Unter anderem war von einer Allianz mit der spanischen Telefónica, der Übernahme der US-Firma Sprint und einem Einstieg beim Online-Dienst AOL die Rede. Aber Erfolge konnte er für seine Internationalisierungs-Strategie bis jetzt nicht vorweisen. Die geplatzte Fusion mit Telecom Italia hat zudem das Verhältnis zu France Télécom so nachhaltig gestört, dass Experten eine weitere Zusammenarbeit für unmöglich halten. Das gefährdet auch die Allianz Global One, in der Sprint dritter Partner ist. Außerdem schläft die Konkurrenz nicht: Mannesmann hat mit der Übernahme der italienischen Telefongesellschaften Infostrada und Omnitel aufgeholt, France Télécom hat mit dem Einstieg beim führenden britischen Kabelnetzbetreiber NTL Boden gutgemacht.

One-2-One kann nur ein Baustein in den Expansionsplänen der Telekom sein. Der strategische Schritt auf dem Weg zum globalen Telematikkonzern ist die Akquisition nicht. Nach wie vor fehlt ein echtes Standbein in den USA, auch in Südeuropa ist der Konzern kaum präsent. Die Telekom erwirtschaftet bisher gerade einmal vier Prozent ihres Umsatzes von fast 70 Mrd. DM im Ausland. Obwohl der Konzern die Mittel aus dem zweiten Börsengang praktisch aufgebraucht hat, habe er ausreichend Finanzkraft für weitere Engagements, sagen Analysten. Es darf also weiter spekuliert werden.

Eine wichtige Entscheidung gab es am Freitag auch für den deutschen Markt: Die Telekom hat die Angebotsfrist für den Verkauf ihres Kabelnetzes um eine Woche auf den 20. August verlängert. Die Fristverlängerung soll auch jenen Interessenten die Abgabe eines qualifizierten Angebots ermöglichen, die sich erst spät dazu entschlossen hätten. Das Interesse an dem Kabelnetz sei sehr hoch, teilte die Telekom mit. Zuletzt hatten die Mannesmann AG, ein bayerisches Konsortium unter Führung von Banken sowie die Kirch-Gruppe, die Bertelsmann AG und Microsoft ihr Interesse erkennen lassen. Nach Eingang und Bewertung der Angebote will die Telekom die Gespräche "mit einer begrenzten Anzahl von Bietern" fortsetzen.

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