Wirtschaft : Der Bürowarenhersteller kämpft um seine Existenz

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Erhöhte Verluste - Wenig Eigenkapital - Umwandlung von Vorzügen in Stammaktiendr

Der Papier- und Bürowarenhersteller Herlitz AG, Berlin, kämpft weiterhin um seine Existenz, denn auch im vergangenen Jahr werden in der Bilanz wieder herbe Verluste ausgewiesen. Der seit Januar amtierende neue Vorstandsvorsitzende Werner Eisenhardt ist jedoch zuversichtlich, in diesem Jahr die Trendwende zu schaffen. Einige Monate werde man wohl schon mit schwarzen Zahlen abschließen können, so Eisenhardt bei der Vorlage der Bilanz am Freitag in Berlin. Für das gesamte Geschäftsjahr rechnet er jedoch wieder mit roten Zahlen, wenn auch in einer "ganz anderen Dimension" als in der Vergangenheit. Das kommende Jahr werde Herlitz dann erstmals seit Jahren wieder mit einem Gewinn abschließen, der im unteren zweistelligten Millionenbereich liegen soll, ist Eisenhardt überzeugt. Herlitz hat zuletzt für das Jahr 1995 eine Dividende gezahlt.

Im ersten Quartal dieses Jahres ging der Umsatz zwar auf 233,6 (Vorjahreszeitraum 255,0) Millionen Mark zurück, die Verluste waren jedoch mit 18,1 (21,2) Millionen Mark nicht mehr ganz so hoch.

Eisenhardt räumte ein, dass Herlitz "in der Existenz gefährdet" sei, wenn es so weitergehe. Man habe jedoch ein überzeugendes und von den Banken gestütztes Konzept der weiteren Unternehmensentwicklung. Die Liquidität des Unternehmens sei sichergestellt. Zum Sanierungsprogramm gehört auch ein weiterer Abbau der Beschäftigtenzahl. So soll die Zahl der Mitarbeiter von jetzt rund 3900 auf 3600 gesenkt werden. Ende 1998 lag sie noch bei 4483. In der Region Berlin arbeiten einschließlich des Außendienstes derzeit rund 2000 Menschen für Herlitz. Auch die Zahl der Standorte soll weiter verringert werden und irgendwann einmal nur noch vier betragen. Dies wären dann ein Standort im Großraum Berlin, einer in Peitz, einer in Posen (Polen) und einer in Most (Tschechien). Weiter will Eisenhardt die Lieferfähigkeit energisch verbessern. In diesem Bereich könne Herlitz wegen eines Streiks in der finnischen Papierindustrie wieder zurückgeworfen werden. Der Ende April ausscheidende Finanzvorstand Martin Kleinschmitt sagte, die Eigenkapitalsituation sei schwierig. Die Quote werde mit zwölf Prozent zum Jahresende auf Vorjahresniveau liegen. Nicht zuletzt deshalb wird der Hauptversammlung am 8. Juni die Umwandlung der Vorzugsaktien in Stammaktien vorgeschlagen. Dadurch werde die Attraktivität der Aktien an der Börse gesteigert, weil dann mehr Papiere eines Typs im Umlauf seien, so Kleinschmitt. Herlitz spart aber auch rund 10 Millionen Mark, die an die Vorzugsaktionäre zunächst als Dividenden nachgezahlt werden müssen, sollte Herlitz die Dividendenfähigkeit wiedererlangen. Der von der Belegschaft ausgesprochene Verzicht auf das Weihnachtsgeld sowie ein freiwilliger Verzicht von Vorstand und Aufsichtsrat auf einen Teil der Bezüge und die Erhöhung der Arbeitszeit von 35 auf 37 Stunden belaufe sich auf einen niedrigen zweistelligen Millionen-Betrag.

Der Jahresabschluss 1999 ist im Zuge der Sanierungsmaßnahmen durch Rückstellungen von 42 Millionen Mark geprägt worden. Der Verlust nach Steuern erhöhte sich auf 89,8 (Vorjahr 73,3) Millionen Mark. Der um die Sondereffekte und den Verkauf der Immobilientochter Herlitz Falkenhöh AG bereinigte Konzernumsatz verringerte sich um rund 1,9 Prozent auf 1,1 Milliarden Mark. Das Restrukturierungsprogramm schlage für 1998 und 1999 mit insgesamt über 100 Millionen Mark zu Buche, wovon über 50 Millionen Mark ausgegeben seien.

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