Wirtschaft : Der Büstenhalterkrieg

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Die BushRegierung hat dem US-Außenhandel keinen Gefallen getan, als sie die Einfuhr bestimmter chinesischer Textilien wie Damenunterwäsche beschränkte. Der Dollar fiel prompt, was dem Weißen Haus eine Warnung sein sollte: Internationale Investoren mögen keine Handelskriege. Übrigens gab die Administration denselben Grund für die Einfuhrbeschränkungen an, den sie schon bei den inzwischen in Verruf geratenen Stahlzöllen benutzt hat: Um den freien Welthandel zu stärken, müssen die USA zuhause protektionistisch sein.

Gerade China muss das befremden. Nach Beschluss der Welthandelsorganisation (WTO) sollen die USA bis 2005 alle Einfuhrbeschränkungen für Textilien aufheben. Zurzeit sind gerade mal 7,5 Prozent aufgehoben. Die neuen Handelsbeschränkungen werden China als Grund dienen, amerikanische Firmen wie Motorola und Microsoft nicht auf den chinesischen Markt zu lassen.

Bei den Büstenhaltern ist der Fall besonders bizarr, da sie in Amerika gar nicht mehr produziert werden. Verkauft werden pro Jahr 30 Millionen Stück – doch hergestellt werden sie anderswo, wie in Mexiko und Zentralamerika. Damit wären wir jetzt so weit, dass die US-Handelsbestimmungen Jobs in der ganzen westlichen Hemisphäre sichern.

Der amerikanischen Textilindustrie ging es schon mal besser. Aber die ausländische Konkurrenz ist nicht ihr einziges Problem. Einige Firmen haben sich auf Absatzmärkte gewagt, auf denen sie sich nicht auskannten oder sie überschuldeten sich. Der Freihandel wurde zum Sündenbock für dieses Missmanagement. Inzwischen werden 97 Prozent der in den USA verkauften Textilien im Ausland gefertigt. In South Carolina gab es in den achtziger Jahren noch 170000 Textilarbeiter, jetzt sind es weniger als zehntausend. Textiljobs auf Kosten der Gesamtwirtschaft zu schützen macht jedoch keinen Sinn.

Bushs Achillesferse bleibt der Handel und Währungspolitik. Er schafft die Stahlzölle nicht ab, obwohl ganz Europa deswegen völlig legale Strafzölle auf amerikanische Waren erheben wird. Seine Wirtschaftsberater setzen auf einen schwachen Dollar. Und jetzt kommt der Büstenhalterkrieg. Noch mag das lustig klingen, aber wenn eine Handels- oder Währungskrise die Wirtschaft ergreift, wird keiner mehr lachen.

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