Wirtschaft : Der Bund sucht nach Alternativstrecken

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Schnellbahn könnte zum Flughafen-Zubringer werdengof/ek

Die Bundesregierung hat die Pläne für eine Transrapid-Strecke zwischen Berlin und Hamburg auf Eis gelegt und sich mit Hilfe der Länder auf die Suche nach einer neuen Referenzstrecke begeben. Nach Informationen des "Handelsblatt" hat Bundeskanzler Gerhard Schröder Verkehrsminister Reinhard Klimmt (SPD) beauftragt, nach schnell realisierbaren Alternativen für das Projekt Ausschau zu halten. Die ursprünglich geplante Städteverbindung lasse sich wegen der finanziellen Risiken und des Widerstandes der Deutschen Bahn AG nicht umsetzen. In neuen Berechnungen wurde auch die bereits um die Hälfte reduzierbare Fahrgastprognose von einst knapp 15 Millionen Passagieren jährlich jetzt nochmals nach unten korrigiert.

Zur Zeit wird deshalb mit Hochdruck geprüft, ob sich der Transrapid nicht als Massentransportmittel zwischen den Flughäfen Erdinger Moos und München sowie dem geplanten Airport Schönefeld und Berlin einsetzen lasse. Ebenfalls im Gespräch ist eine Verbindung zwischen den Flughäfen Köln/Bonn und Düsseldorf. Zwar könne der Transrapid den Vorteil seiner hohen Geschwindigkeit eher auf Langstrecken zur Geltung bringen, hiess es in Regierungskreisen. Mit Blick auf das erhoffte Exportgeschäft habe aber der Beweis einer alltagstauglichen Dauerbelastung der Schwebebahntechnik Priorität.

Im Bundesverkehrsministerium wird ferner überlegt, die für den Bau der Transrapid-Strecke eingeplanten Mittel von 6,1 Milliarden Mark teilweise für den Ausbau einer ICE-Verbindung zwischen Berlin und Hamburg zu verwenden. Ausserdem bleibe so genug Geld übrig, um die Transrapid-Teststrecke im Emsland zu erhalten und eine kurze, preiswerte Alternativroute zu errichten. Nicht zuletzt muss Klimmt eine Etatlücke stopfen, da der Verkauf der Eisenbahnerwohnungen geplatzt ist und neu ausgeschrieben werden muss.

Auch aus Kreisen der Deutschen Bahn war zu erfahren, dass sich alle Beteiligten inoffiziell auf das Aus für den Transrapid zwischen Berlin und Hamburg verständigt haben. Mit der Verkündung soll aber so lange gewartet werden, bis Pläne für die Alternativstrecke vorliegen.

Unterdessen wird der Ruf nach einer raschen Entscheidung über den Transrapid immer lauter. Die FDP-Bundestagsabgeordneten Horst Friedrich und Michael Goldmann erklärten in Berlin, die in letzter Zeit immer wieder ins Spiel gebrachten Alternativstrecken im Inland seien "eine vornehme Art des Totsagens". Für eine neue Strecke müsste "ein beträchtlicher Aufwand getrieben werden, der angesichts der stets genannten Kostensituation undenkbar ist". Der sächsische CDU-Bundestagsabgeordnete Manfred Kolbe bezeichnete den Vorschlag des Baus einer Transrapid-Strecke zwischen Berlin und Leipzig als "verkehrspolitisches Ablenkungsmanöver der SPD". Der frühere Infrastruktur-Experte der Deutschen Bahn, Rudolf Breimeier, sagte dem Tagesspiegel am Mittwoch, er sei "erstaunt", dass die Unwirtschaftlichkeit der Transrapid-Verbindung zwischen Hamburg und Berlin von den Beteiligten nicht schon früher erkannt wurde.

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