Wirtschaft : Der Cargolifter stürzt an der Börse ab

alf/uwe

Dem brandenburgischen Luftschiffunternehmen Cargolifter droht der Absturz. Nachdem Vorstandschef Carl von Gablenz am Mittwoch mit der Einschätzung zitiert worden war, ohne staatliche Hilfen sei das Unternehmen nicht überlebensfähig, gab es eine drastische Reaktion an der Börse. Der Kurs der Cargolifter-Aktie verlor zeitweise mehr als die Hälfte seines Wertes. Börsenhändler berichteten, ein Großinvestor hätte am Nachmittag unter allen Umständen und zu jedem Preis aus der im M-Dax notierten Aktie aussteigen wollen.

Cargolifter ist schon seit Monaten auf der Suche nach Geldgebern. Das Unternehmen, das riesige Luftschiffe für den Lastentransport bauen will, braucht frisches Geld, um sein Produkt überhaupt produzieren zu können. Weil das Börsenumfeld zur Zeit sehr kritisch ist, kann Cargolifter kaum noch eine Kapitalerhöhung unterbringen. Das Unternehmen braucht also Kredite, Bürgschaften oder einen strategischen Investor.

Unternehmenssprecherin Silke Rösser versuchte die Wogen zu glätten. Von Gablenz¿ Äußerungen seien "aus dem Zusammenhang gerissen worden", sagte Rösser auf Anfrage. Von Gablenz selbst sagte am Abend dem Tagesspiegel, "im Hinblick auf die veränderten Umstände am Kapitalmarkt ist Cargolifter wie andere Luft- und Raumfahrt- oder Technologie-Unternehmen auch auf staatliche Unterstützung angewiesen". Unternehmenssprecherin Rösser meinte, im Prinzip habe sich an der Situation nichts verändert: Bis zur Serienreife der Luftschiffe in 2004/2005 würden 590 Millionen Euro gebraucht, davon seien 300 Millionen gesichert. Für die restlichen 290 Millionen Euro werde eine Lösung gesucht. Die Unternehmenssprecherin räumte ein, dass es im März zu Liquiditätsengpässen kommen könnte.

Der brandenburgische Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) sagte, dass das Land das Unternehmen von Anfang an unterstützt habe und "nach wie vor an einer erfolgreichen Entwicklung des Cargolifter-Vorhabens bis zur Marktreife" interessiert sei. Das Land hat außerordentliches Interesse am Erhalt der rund 700 Arbeitsplätze in Brand im Südosten Berlins. Deutlicher wurde die Landesregierung nicht - offenbar hoffen die Brandenburger auf die Hilfe des Bundeswirtschaftsministeriums für die erforderliche Kreditbürgschaft.

Die Suche nach neuen Investoren dürfte derweil schwierig werden. Die beiden großen Flugzeugkonzerne EADS (Airbus) und Boeing haben bereits einen Einstieg verworfen. Beiden erschien das Projekt als zu ehrgeizig. Bereits heute liegt Cargolifter deutlich hinter seinem ursprünglichen Zeitplan zurück. Im Geschäftsjahr 2004/2005 (31. August) soll das erste Luftschiff starten - eigentlich sollte es ein Jahr früher so weit sein. Entsprechend skeptisch sind die Kleinanleger geworden. Auch deshalb, weil sich Berichte über technische Schwierigkeiten häufen: So ist nicht klar, ob und wie der Cargolifter in schwerem Wetter zu Recht kommt und ob er tatsächlich größere Höhen bewältigt. Wie er seine Ladung aufnehmen soll, wird derzeit in aufwändigen Simulationen ausgetüftelt: Das Luftschiff ist nämlich nur schwer stabil in der Luft zu halten.

Die Cargolifter-Gemeinde, die sich noch vor einem Jahr bei jedem Angriff gegen das Unternehmen solidarisch hinter dem Vorstandschef versammelte, ist merklich geschrumpft. Wie der Aktienkurs auch: von seinem Höchststand von fast 24 Euro im Jahr 2000 war er gestern mit seinem neuen Tiefstand von zeitweise weniger als 2,10 Euro um über neunzig Prozent entfernt.

Dabei hatte der Tag für Cargolifter ruhig begonnen. 5,25 Euro kostete die Aktie am Morgen, bis dann um 14.40 Uhr der Ausverkauf begann. Erst waren es 4000 Aktien, dann 11 000, um 14.55 Uhr schon 18 500 Papiere, die jemand unbedingt loswerden wollte. Da lag der Kurs schon bei 3,70 Euro. Es kam noch dicker. Nach 15 Uhr wurden Aktien im Minutentakt in Tausenderpaketen angeboten. Nur, dass niemand mehr zugriff. Der Kurs stürzte auf 2,05 Euro, bis die Ersten wieder kauften. Zum Handelsschluß lag die Aktie dann bei 3,20 Euro (minus 38,46 Prozent).

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