Wirtschaft : Der Chef der Deutschen Bank geht auf Werbetour

ROLF OBERTREIS (MAIN)

FRANFURT .Selbst für Rolf Breuer ist es eine neue Erfahrung."Mit dieser Kapitalerhöhung betritt nicht nur die Deutsche Bank Neuland, sie ist auch für den deutschen Kapitalmarkt ohne Vorbild." Noch nie in seiner langen Banker-Karriere hat der Vorstandssprecher der Deutschen Bank in Fernsehspots geworben.Jetzt springt er selbst in die Bresche, um von alten und neuen Aktionären frisches Geld zu erbitten, das die Deutsche Bank für die Übernahme der US-Großbank Bankers Trust (BT) braucht.

Das Geldhaus wirbt seit Tagen in großformatigen Zeitungsanzeigen.Seit Montag sind Breuer und seine Vorstandskollegen auf Tour, um zunächst in Europa, dann in Amerika und in Asien für die Kapitalerhöhung und den Bezug der bis zu 79,5 Mill.neuen Aktien zu werben."Mehrere zehn Mill.DM" läßt sich die Deutsche Bank diesen Reklamefeldzug kosten.Soviel Transparenz wie möglich ist die Vorgabe.Die rund 500 000 Kleinaktionäre und die großen institutionellen Anleger sollen selbst die Überzeugung gewinnen, daß das Bankhaus, so das eigene Motto, "auf Zukunftskurs" ist.Sechs Mrd.DM sollen eingefahren werden, jede neue Aktie kostet 38 Euro."Ein attraktives Angebot", sagt Breuer.Das Wort "billig" möchte er nicht gebrauchen.

Derzeit geht der Banker davon aus, daß die Deutsche Bank den gesamten Erlös von gut sechs Mrd.DM für die Übernahme von Bankers Trust (BT) brauchen wird.Es könne aber auch weniger sein, je nachdem was etwa der Verkauf des BT-Ablegers in Australien bringe.Erst am Jahresende werde man den Kaufpreis genau kennen.Breuer ist felsenfest überzeugt, daß die Übernahme von den US-Behörden genehmigt wird.Auch die Verhandlungen über einen Entschädigungsfonds für Nazi-Opfer betrachtet Breuer nicht als Hindernis."Das eine ist vom anderen unabhängig." Die Verhandlungen über den Fonds kämen langsam voran.

Unabhängig von der Übernahme von Bankers Trust will die Deutsche Bank in Europa weiter Ausschau nach möglichen Partner halten.In Polen hat man gerade 9,9 Prozent an der BIG Bank Gdanski in Warschau übernommen, der viertgrößten Bank des Landes.In Tschechien ist man beim Auktionsprozeß für die Beteiligung eines großen Geldhauses beteiligt."Überall in Europa, wo sich attraktive Möglichkeiten ergeben, sind wir dabei", sagt Breuer.Hierzulande hält er weitere Fusionen angesichts des 50prozentigen Marktanteils der Sparkassen für schwierig.Hier setzt das Geldhaus vor allem auf die Deutsche Bank 24, die, so Breuer, mit ihrem "revolutionären" Konzept im September an den Start gehen soll.

Diese Strategie hält Breuer für ein überzeugendes Argument, die Aktie seines Hauses zu kaufen.Allein im Investmentgeschäft soll der Gewinn von 2,2 Mrd.DM auf 6,1 Mrd.DM im Jahr 2001 steigen.Insgesamt rechnet Breuer mit einer Steigerung des Betriebsergebnisses von 1998 bis 2001 von 4,4 auf 12 Mrd.DM.Die Eigenkapitalrendite soll von 14,3 auf 25 Prozent zulegen.Bleibt die Frage, ob der Aktienkurs mitspielt.1998 gehörte die Deutsche Bank-Aktie zu den Verlierern.Anfang des Jahres kostete sie 125 DM, im Juli 162 DM, am Jahresende aber nur noch 98 DM.Am Montagmittag lag der Kurs bei rund 49 Euro - etwa drei Prozent weniger als am Freitag."Die Kapitalmaßnahme wird positiv aufgenommen", sagt Breuer trotzdem.

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