Wirtschaft : Der CLT-Ufa-Chef über die Zukunft von Europas größtem TV-Konzern

Herr Walgenbach[zum CLT-Ufa-Konzern gehören]

Ewald Walgenbach ist Vorstandschef der TV- und Radioholding CLT-Ufa. Der Konzern, der von Bertelsmann (mit dem Juniorpartner WAZ) und der belgischen Audiofina getragen wird, kontrolliert unter anderem die TV-Sender der RTL-Familie.

Herr Walgenbach, zum CLT-Ufa-Konzern gehören Produktionsfirmen, Fernseh- und Radiostationen. Sie handeln mit Senderechten und vermarkten gleichzeitig Sportvereine und Nationalmannschaften. Außerdem steigen Sie ins Online-Geschäft ein. Welche Geschäftsfelder wollen Sie noch erschließen?

Gerade nach dem Zusammengehen mit Pearson TV ist unsere Wertschöpfungskette nun dicht geknüpft.

Können Sie nachvollziehen, dass mancher eine solch umfassende Verwertungskette als Gefahr für unabhängige Berichterstattung und Meinungsvielfalt betrachtet?

Nein, das kann ich nicht ganz nachvollziehen. Wichtig ist, dass in den einzelnen Stufen der Wertschöpfungskette intensiver Wettbewerb herrscht. Und das ist zweifelsohne in allen europäischen Ländern der Fall.

Durch die Fusion mit Pearson TV wollen Sie stark genug werden, um auch auf andere Märkte vorzudringen. Wo liegen Ihre nächsten Ziele?

Unser Ziel ist es zunächst einmal, das neue Unternehmen zu integrieren. Der Merger mit Pearson TV ist deshalb eine so schöne Sache, weil die Aktivitäten von CLT-Ufa und Pearson TV komplementär sind. Das eröffnet nicht nur die Möglichkeit, durch Synergien Kosten zu sparen, sondern eröffnet völlig neue Wege, entlang der Wertschöpfungskette kräftig zu wachsen. Es bleibt unser Ziel, unsere Free-TV-Aktivitäten dort zu stärken, wo wir noch keine Mehrheitsbeteiligungen in den Sendern haben. Außerdem wollen wir verstärkt in die neuen Medien investieren. Darüber hinaus wollen wir geographisch wachsen: Wir haben durch Pearson eine Präsenz in Spanien und den USA. Diese wollen wir ausbauen.

Als neuer Name wird bereits "RTL Group" gehandelt. Wann wird Ihr Unternehmen umbenannt?

Der neue Name des Unternehmens wird derzeit noch diskutiert.

Wieviel Kapital erhoffen Sie sich durch den angekündigten Börsengang?

Diese Frage wird der Markt beantworten. Wir meinen, dass durch den Zusammenschluss von CLT-Ufa und Pearson ein ausgesprochen werthaltiger Konzern entsteht.

Es heißt, Bertelsmann hat das Sagen. Haben Sie bei Entscheidungen das letzte Wort?

Bertelsmann ist gemeinsam mit der WAZ-Gruppe bei CLT-Ufa bereits seit drei Jahren gemeinsam mit Audiofina und GBL Anteilseigner. Beide Unternehmen haben CLT-Ufa gemeinsam entwickelt und teilen eine sehr klare strategische Auffassung, wie das Fernsehgeschäft weiterentwickelt werden soll.

Vor kurzem hat RTL eine Internet-Tochter gegründet. Wann werden Online-Medien das Fernsehen als Kerngeschäft Ihres Konzerns abgelöst haben?

Fernsehen bleibt das Kerngeschäft von CLT-Ufa. Neue Aktivitäten im Breitband und im Internet werden dieses traditionelle Geschäft ausbauen und ergänzen, ohne ihm etwas von seiner Bedeutung zu nehmen.

Werden die Nutzerzahlen im Internet irgendwann so viel Wert sein, dass - bei erreichtem technischen Standard - Exklusiv-Übertragungen etwa der Formel 1 denkbar sind?

Das Internet entwickelt sich zum Massenmedium. Ob wir einmal Exklusivübertragungen im Internet haben werden, lässt sich heute schwer voraussagen. Das hängt unter anderem von den technischen Parametern und der Übertragungsqualität im Internet ab. Ich glaube, dass sich eher breitbandige, multimediale Anwendungen auf dem Fernsehbildschirm durchsetzen werden.

CLT-Ufa ist Gesellschafter bei RTL II, das mit "Big Brother" für Diskussionsstoff sorgt. Freuen Sie sich über den Erfolg?

Die Aufregung um "Big Brother" hat sich ja dankenswerterweise gelegt. Die ganze Aufregung im Vorfeld war überflüssig. Niemand kannte das Format, und es ist mit einer Menge Vorurteilen und Unterstellungen gearbeitet worden. "Big Brother" ist ein neues und innovatives Format. Darüber kann und muss auch öffentlich gesprochen werden, aber man sollte es nicht einfach verhindern. Das Fernsehen lebt von der Innovation. Mit Ewald Walgenbach sprach Thomas Gehringer.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben