Wirtschaft : Der Countdown für den Börsengang läuft

JENA (dpa).Die Jenoptik AG (Jena) will einen Großteil ihrer Einnahmen aus dem bisher größten Börsengang eines Unternehmens aus den neuen Ländern für Investitionen vor allem in Jena nutzen.Grob geschätzt erwarte er, daß von den Einnahmen etwa 200 Mill.DM in die Unternehmenskasse fließen, sagte Vorstandschef Lothar Späth am Dienstag."Wir wollen weiter powern und unsere Geschäftsfelder ausbauen", erklärte der Vorstandsvorsitzende des Technologiekonzerns.Voraussichtlich am 16.Juni sollen die Aktien erstmals an der Frankfurter Börse notiert werden.Die Preisspanne wird am heutigen Mittwoch bekanntgegeben.

Die Eigenkapitalquote des Unternehmens, die im vergangenen Jahr auf 26,9 Prozent zurückgegangen war, werde wieder über 30 Prozent steigen."Das ist eine gesunde Quote für ein Unternehmen wie Jenoptik", erklärte Späth.Nach seinen Angaben sollen in den Ausbau der Optik-Fertigung und in die Zusammenlegung derzeit noch getrennter Fertigungsstätten der Jenoptik Automatisierungstechnik GmbH in Jena Investitionen mit einem Volumen von voraussichtlich etwa 63 Mill.DM fließen.Investiert werden soll außerdem unter anderem in die Abrundung des Produktprogramms für die Reinraum-Automatisierung sowie in Forschung und den Ausbau von Beteiligungen.Jenoptik hatte sich in den vergangenen Jahren international als Generalauftragnehmer für den Bau von Chipfabriken etabliert.

Späth bezeichnete den Börsengang als Signal, daß Restrukturierung und Aufbau des Unternehmens abgeschlossen sind."Wir sind ein Unternehmen im Normalzustand und kein Ost-Unternehmen", sagte Späth."Mit der Mitleidstour hat man in der Wirtschaft keinen Erfolg.Das heißt immer Abschlag." Er verkenne jedoch nicht, daß vor allem für Kleinanleger die Herkunft und die Entwicklung des Unternehmens aus Teilen des Jenaer Zeiss-Kombinates ein "emotionales Element" sind.Mit der Notierung der Jenoptik-Aktien an der Börse gebe es für das Unternehmen künftig ein neutrales Bewertungskriterium.

Späth sprach von einem "gewaltigen Nachfragedruck" nach den Jenoptik-Aktien.Die 15propzentige Aktienreserve (Greenshoe) werde voraussichtlich voll ausgefahren.Eine große Nachfrage gebe es nicht nur von Kleinanlegern, sondern auch aus dem institutionellen Bereich."Es wird wahrscheinlich problematisch, die Quoten zwischen beiden Gruppen zu verteilen." Das Emissionsvolumen beträgt nominal 113,5 Mill.DM (22,7 Mill.Aktien).Nominal 80,4 Mill.DM kommen aus dem Bestand der Altaktionäre.Das sind vor allem das Land Thüringen und öffentliche Banken.Nominal 33,1 Mill.DM wird die Jenoptik AG selbst über eine genehmigte Kapitalerhöhung an die Börse bringen.Späth erwartet in diesem Jahr ein Umsatzwachstum auf rund drei Mrd.DM (1997: 2,6 Mrd.DM).Der Jahresüberschuß soll von rund 59,9 Mill.auf geschätzt etwa 70 Mill.DM steigen.Jenoptik beschäftigt 8100 Mitarbeiter, davon 2000 in den neuen Ländern.

Der Börsengang wird von elf nationalen und internationalen Banken betreut.Dadurch soll eine breite Streuung der Aktien erreicht werden.Zum engeren Konsortium gehören Goldman, Sachs sowie die Commerzbank und die Landesbank Hessen-Thüringen.Der endgültige Preis pro Fünf-DM-Aktie soll am 15.Juni, einen Tag vor der voraussichtlich ersten Börsennotierung, feststehen.Für Kaufinteressenten wurde vom Unternehmen ein Info-Telefon (01805 / 23 42 30) eingerichtet.Um eine stete Beobachtung des Börsenwertes zu erreichen, soll nach Vorstandsangaben ein erheblicher Teil der Aktien künftig auch bei Banken, Fonds oder Investmenthäusern liegen.Geplant ist eine Vorstellungstour an den Finanzplätzen in London, Paris, Genf, Zürich und Amsterdam.

Hauptgeschäftsfelder des Technologie-Konzerns sind Reinraumtechnik vor allem für die Halbleiterindustrie, Telekommunikation, Optoelektronik und Automatisierungstechnik sowie Gebäudemanagement.Durch Firmenübernahmen war die Jenoptik, die 1997 eine klare Struktur ihrer Geschäftsfelder erhielt, schnell gewachsen.Für das laufende Geschäftsjahr mit einer Gewinnerwartung von etwa 70 Mill.DM soll erstmals eine Dividende gezahlt werden.Längerfristig strebt Jenoptik nach Vorstandsangaben eine Wachstumsrate beim Umsatz von jährlich 15 Prozent an.

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