Wirtschaft : Der Daimler-Chef verdient am meisten

Schrempp rückt an die Spitze der deutschen Top-Manager – Deutsche-Bank-Chef Ackermann fällt auf Platz drei

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Berlin (dr). Der bestbezahlte Manager eines Unternehmens aus dem Deutschen Aktienindex Dax ist laut einer Berechnung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young mit 10,8 Millionen Euro der Vorstandsvorsitzende von DaimlerChrysler, Jürgen Schrempp. Er erhielt im vergangenen Jahr demnach – neben einem Grundgehalt von 6,47 Millionen Euro – Aktienoptionen im Wert von etwa 4,35 Millionen Euro, berichtet das „Manager Magazin“.

Mit seinem Einkommen liegt Schrempp vor Josef Ackermann, dem Chef der Deutschen Bank, der mit Gesamtbezügen von 6,95 Millionen Euro im Jahr auf Platz drei zurückgefallen ist. Bisher war Ackermann als der am besten bezahlte Manager eines Dax- Unternehmens eingestuft worden. Auf Platz zwei rangiert laut dem Magazin SAP-Chef Henning Kagermann. Er erhielt zwar „nur“ ein Grundgehalt von 1,3 Millionen Euro, hinzu seien aber Wandelschuldverschreibungen von 6,2 Millionen Euro gekommen.

Da viele Konzernlenker ihre Einkommen nicht offen legten, habe Ernst&Young die Bezüge im Auftrag des „Manager Magazin“ geschätzt, schreibt die Zeitung weiter. Im Durchschnitt verdiente der Vorstandschef eines im Dax notierten Unternehmens ohne Berücksichtigung von Aktienoptionen 2,12 Millionen Euro. Bei den Chefs der 50 größten europäischen Unternehmen (Euro-Stoxx 50) waren es sogar 2,95 Millionen Euro. Spitzenverdiener waren hier Novartis-Chef Daniel Vasella (13,74 Millionen Euro), BP-Vormann John Browne (11,5 Millionen Euro) und Nokia-Lenker Jorma Ollila (10,02 Millionen Euro). Laut dem Kienbaum-Vergütungsexperten Heinz Evers veröffentlichen derzeit nur die Vorstände von acht Dax-Unternehmen konkrete Zahlen.

Zugleich wurden in der Untersuchung die Gehälter der Vorstandschefs mit der Entwicklung des Aktienkurses ihrer Konzerne verglichen. Gemessen an der Aktienkursentwicklung sei das Gehalt von Schrempp, aber auch das von Ackermann eindeutig zu hoch gewesen, schreibt das „Manager-Magazin“. Im Gegensatz dazu hätten Adidas-Chef Herbert Hainer, Henkel-Vorstandsvorsitzender Ulrich Lehner sowie der Chef der Deutschen Börse, Werner Seifert, im Verhältnis zur Kursentwicklung ihrer Unternehmen eher moderate Gehälter bezogen.

Die neue Liste dürfte die Diskussion über die Bezüge der deutschen Manager wieder anheizen. Noch vor wenigen Tagen hatte sich Bundespräsident Johannes Rau (SPD) für eine Begrenzung der Managergehälter ausgesprochen. Der Bundespräsident erhält monatlich 16500 Euro Grundgehalt plus 6500 Euro Aufwandsentschädigung. Hinzu kommt eine Restpension aus seiner Zeit als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen in Höhe von monatlich 1200 Euro.

Gerhard Cromme, Leiter der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance-Kodex, will die Regeln über die Offenlegung der Gehälter künftig strenger fassen. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) hatte zuletzt angekündigt, die gewünschte Transparenz notfalls per Gesetz herstellen zu wollen.

Die Kritiker treffen die allgemeine Stimmung. Laut einer Emnid-Umfrage sind 76 Prozent der Privatanleger der Ansicht, dass Topmanager deutscher Aktiengesellschaften zu viel verdienen. 78 Prozent sprechen sich für die Verpflichtung der Unternehmen aus, die Bezahlung jedes einzelnen Vorstandsmitglieds zu veröffentlichen und 56 Prozent sind für eine gesetzlich vorgeschriebene Obergrenze bei Vorstandsgehältern.

Erst am Mittwoch hatte es auf der Hauptversammlung der Deutschen Lufthansa heftige Kritik an der Erhöhung der Aufsichtsratsbezüge gegeben. Die Bezüge der einfachen Aufsichtsräte steigen von 31000 Euro auf 55000 Euro. Der künftige Aufsichtsratschef Jürgen Weber erhält 165000 statt bisher 61000 Euro. Allerdings will Weber den Zuschlag gemeinnützigen Zwecken spenden.

Die Befürworter der hohen Vorstandsgehälter verweisen immer wieder auf die noch viel höheren Einkommen insbesondere in den USA. Und auch für Kienbaum-Experte Evers ist nicht die absolute Höhe die entscheidende Frage. Das sei wie beim Fußball. „Gute Leistung muss gut bezahlt werden“, sagt Evers.

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