Wirtschaft : Der Daimler-Chrysler-Deal überragt alle Fusionen

DÜSSELDORF (abo/HB).Die Zahl der Unternehmensverkäufe mit einem Volumen von mehr als einer Mrd.DM ist in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres stark auf 25 zurückgegangen.Im Vorjahres-Vergleichszeitraum hatte die M & A International GmbH, Königstein, noch 34 solche Großtransaktionen registriert.Doch weist das Unternehmen darauf hin, daß die verkauften Unternehmenseinheiten ungewöhnlich groß gewesen seien - so etwa Chrysler mit 108 Mrd.DM Umsatz.Damit erklärt sich auch das sprunghafte Wachstum der akkumulierten Verkaufspreise im untersuchten Zeitraum, soweit diese öffentlich wurden.Mit 122,6 Mrd.DM übertriffen sie den Vorjahresvergleichswert von 51,5 Mrd.DM zwar um mehr als das Doppelte.Darin ist der Daimler-Chrysler-Deal allerdings mit 72 Mrd.DM enthalten.

Insgesamt verzeichnete der Königsteiner Intermediär, der halbjährlich Marktzahlen publiziert, von Januar bis Juni diesen Jahres 914 (erstes Halbjahr 1997: 874) Transaktionen.Deutsche Unternehmen kauften im Ausland zurückhaltend zu: Sie erwarben 169 (154) Firmen jenseits der Grenzen.Bei 22 (20) Deals kauften sie sich in den USA, in 21 (28) Fällen im Nachbarland Frankreich in Firmen ein.In Italien kamen 18 (zwölf) Firmen in deutsche Hände, in Großbritannien und der Schweiz je 16 (zwölf beziehungsweise zehn).Die Begeisterung für Erwerbungen in Osteuropa ist deutlich abgeflaut.In Polen wurde nur noch ein Zukauf eines deutschen Unternehmens festgestellt - ein Jahr zuvor waren es noch 13 gewesen.Allerdings erwarben deutsche Firmen acht (zwei) Unternehmen in der Tschechischen Republik.

Ausländische Käufer kamen im Beobachtungszeitraum in Deutschland in 297 (267) Fällen zum Zuge.Dabei dominierten die Erwerber aus den Vereinigten Staaten mit 105 (108) Käufen, es folgten Briten mit 56 (42), Franzosen mit 30 (20), Schweizer mit 27 (22) und Niederländer mit 26 (21) Übernahmen in Deutschland.

Die Fusions- und Übernahmeaktivitäten stellten sich in den einzelnen Wirtschaftszweigen höchst unterschiedlich dar.In der Lebensmittelbranche wechselten 100 Firmen oder Konzernteile den Eigentümer, in den Industriebranchen Textil und Verpackungen sowie bei Dienstleistungen gab es jeweils weniger als 20 Deals.Desweiteren machen die Königsteiner auch auf eine sich abzeichnende Spaltung des Marktes aufmerksam.Während bei größeren Zukäufen attraktive "Targets" (Kaufobjekte) immer schwerer zu finden und entsprechend teurer werden, ist das bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) anders.Bei ihnen besteht nach wie vor ein Überangebot.

Der deutliche Anstieg der Übernahmen läßt sich nicht nur in Deutschland feststellen.Auch in der Schweiz sowie in geringerem Umfang in Österreich sind in den vergangenen Monaten mehr Firmen und Unternehmensteile in andere Hände übergegangen.Auffällig sind dabei vor allem im Falle der Schweiz die spektakulären grenzüberschreitenden Transaktionen."Acquisitions Monthly" nennt hier den Kauf der britischen BAT-Finanz-Tochter sowie des US-Finanzdienstleisters Scudder Stevens & Clark durch die Zürich-Versicherungs-Gesellschaft für umgerechnet 30 Mrd.beziehungsweise 4,5 Mrd.DM, Roches Erwerb der Corange-Holding (Bermuda) samt Boehringer Mannheim für 18 Mrd.DM und Metros Mehrheitsübernahme der niederländischen SHV Makro-Märkte für knapp fünf Mrd.DM.Weitere Deals über mehr als drei Mrd.DM waren Cibas Übernahme von Allied Colliods (4,2 Mrd.DM) und Richemonts anteiliger Kauf der französischen Vendôme-Gruppe (drei Mrd.DM).Dies alles in nur drei Monaten zu Jahresbeginn.

Dagegen fielen ausländische Engagements in dem Nachbarland deutlich kleiner aus.Die größten Deals waren der von Doughty Hanson eingefädelte MBOP bei Geberit (2,3 Mrd.DM) und Investors 6-Prozent-Deal bei ABB (1,5 Mrd.DM).Das britische Fachblatt sieht internationale Einflüsse als Hintergrund für diese Tendenzen.Schweizer Konzerne seien in jenen Wirtschaftszweigen sehr stark vertreten, die sich gegenwärtig weltweit neu aufstellten.

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