Wirtschaft : Der Dax hält wachsendem Druck stand

Veronika Csizi

Mit einem Kursfeuerwerk von plus 3,5 Prozent binnen zwei Handelstagen hat der Dax seine Oktober-Bilanz am Ende noch gewaltig aufbessern können: Der deutsche Standardwerte-Index rettete sich so mit einem nur 2,7-prozentigen Minus auf 4929 Punkte über einen Monat, der statistisch betrachtet als riskanteste Periode des Jahres gilt. Ängste vor steigender Inflation, vor einer bevorstehenden Zinswende in Europa, durchwachsene Unternehmensprognosen in den USA und vor allem breite Gewinnmitnahmen angloamerikanischer Hedgefonds hatten den Dax zuvor um 5,6 Prozent auf 4762 Punkte gedrückt. Bis auf die Allianz, Münchener Rück, Lufthansa und Deutsche Bank verzeichnen alle Dax-Werte im Oktober ein Minus. Unter Druck stand vor allem der Volkswagen-Konzern, der nach dem Einstieg von Porsche für Hedgefonds uninteressant geworden war. Auch Daimler-Chrysler, MAN und Continental büßten rund zehn Prozent ein. Dagegen profitierten die Versicherer von europaweiten Umschichtungen in Finanzwerte. Die Allianz schob sich im Monatsvergleich um 4,5 Prozent vor.

Kurzfristig könnten die Märkte nochmals unter Druck geraten, heißt es bei den meisten Analysten, denn die erste Novemberwoche steht mit den Notenbank-Sitzungen in den USA und in Europa ganz im Fokus der Inflations- und Zinsdiskussion. Mehrere europäische Notenbänker hatten zuletzt eine baldige Zinswende angedeutet, die an den europäischen Rentenmärkten bereits gespielt wird: Binnen Monatsfrist stieg die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen ungewöhnlich stark um 40 Basispunkte auf 3,4 Prozent an.

In den USA trüben Unsicherheiten vor dem Wachwechsel an der Spitze der Notenbank die Stimmung. Anfang Februar 2006 macht der oberste Währungshüter Alan Greenspan, seit 18 Jahren im Amt, seinen Sessel für den obersten Wirtschaftsberater von US-Präsident George Bush, Ben Bernanke, frei. Viele Anleger fragen sich nun, ob Bernanke Greenspans Politik der ZinsTrippelschritte fortsetzen wird.

Für die europäischen Aktienmärkte macht sich nach der Oktober-Konsolidierung aber insgesamt wieder Zuversicht breit: Die Landesbank Baden-Württemberg etwa rechnet fest mit einer Trendwende. Der Markt werde sich bald wieder auf die positiven Fundamentaldaten besinnen, zum Beispiel auf die erfreulichen Quartalsberichte. Auch die Fondsgesellschaft Adig sieht gute Chancen für eine nachhaltige Erholung der Aktienmärkte. Neue Jahreshochs, beispielsweise ein Anstieg des Dax über 5140 Punkte, seien vorerst jedoch unwahrscheinlich. Die DZ Bank dagegen hat Ende Oktober ihre Prognose für den Dax angehoben. Auf Grund der traditionell starken Entwicklung der Aktienmärkte in den Monaten November bis Januar könne der Dax in den nächsten sechs Monaten bis auf 5400 Punkte klettern.

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