Wirtschaft : Der Dax ist nicht überbewertet

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Von Bernd Hops

Als die USTruppen im Frühjahr in den Irak einmarschierten, wollte niemand mehr auf Aktien setzen. Die Kriegsfolgen waren kaum absehbar. Ein Ölpreis von 100 Dollar und weltweiter Terror, die jede wirtschaftliche Erholung abwürgen? Der Dax fiel auf rund 2200 Punkte, den tiefsten Stand seit 1996. Mehr als ein halbes Jahr später sind die amerikanischen Soldaten immer noch im Irak. Aber die Weltwirtschaft ist durch den Krieg nicht in Mitleidenschaft gezogen worden, sondern erstarkt zusehends. Die Börsen müssen die Situtation daher neu analysieren. Und: Die Lage ist bei weitem nicht so schlecht, wie sie viele Anleger – gemessen an den aktuellen Kursen – noch sehen.

Der Dax steht zurzeit bei knapp 3800 Punkten, ein Plus im Vergleich zum Frühjahr von mehr als 73 Prozent. Ist er deshalb überbewertet? Nein, denn die Börsen nahmen einen kriegsbedingten Abschwung voraus, der nicht eintrat. 3800 Punkte ist das Niveau vom Sommer 2002. Niemand wird behaupten, dass es der Wirtschaft damals besser ging als heute. Im Gegenteil bieten die aktuellen Konjunkturdaten die harten Fakten, die Börsianer seit Monaten fordern, um an den Aktienmärkten wieder kräftig zuzugreifen. Die USA spielen die Vorreiterrolle. Hier sind die Verbraucher so optimistisch wie schon lange nicht mehr, der Konsum nimmt zu. Und die gute Stimmung kommt auch zunehmend bei den Firmen an, die es wieder wagen zu investieren und einzustellen. Selbst in Europa geht es langsam aufwärts.

Natürlich gibt es weiterhin Risiken. Wenn der Euro etwa noch drastisch gegenüber dem Dollar gewinnt, dürfte es hier zu Lande mit der Börsenparty erst einmal wieder vorbei sein. Trotzdem stehen die Chance für die traditionelle Jahresendrallye so gut wie schon lange nicht mehr. Ende Dezember wollen die Börsianer deshalb den Dax wieder bei 4000 Punkten sehen.

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