Wirtschaft : Der Dax kann sich nicht erholen

Trotz guter Vorgaben rutscht der Markt ab

Stefan Kaiser

Berlin – Am Morgen sah es nach einer Erholung aus, am Nachmittag rauschte der deutsche Aktienmarkt schon wieder ins Minus. Trotz guter Vorgaben aus den USA und Japan schafft es der Leitindex Dax derzeit nicht, sich zwei Tage in Folge nach oben zu bewegen. Bis Handelsschluss verlor er 0,85 Prozent auf 5376 Punkte. Neben Gewinnmitnahmen nach der leichten Erholung am Vortag machten Experten den so genannten „Hexensabbat“ für das Auf und Ab verantwortlich. In der Börsensprache steht dieser Name für Tage, an denen Terminkontrakte auf Indizes und Aktien verfallen. „Am Hexensabbat gibt es Schwankungen ohne wirkliche Nachrichten“, erklärte Matthias Engelmayer von Independent Research. Professionelle Anleger versuchen, die Kurse so zu beeinflussen, dass sie bei Ablauf ihrer Termin-Wetten Gewinne machen.

Doch der Verfallstag ist nicht der einzige Grund für die weitere Abwärtsbewegung. „So lange die Unsicherheit über die Zinsentwicklung im Markt ist, bleiben die Anleger nervös“, sagte Engelmayer. Schon in der ersten Wochenhälfte war der Dax dramatisch eingebrochen - vor allem wegen hoher Inflationszahlen in den USA, die die Angst vor weiteren Zinserhöhungen geschürt hatten. Am Donnerstag hatte der amerikanische Notenbankchef Ben Bernanke dann für Erleichterung bei den Anlegern gesorgt, als er sich moderat zur Inflation äußerte. Die Märkte in den USA und Südamerika stiegen deutlich. Die kolumbianische Börse erlebte mit einem Plus von 15 Prozent sogar den steilsten Anstieg in der Geschichte des Börsenhandels. Auch die asiatischen Börsen zogen am Freitag nach und legten kräftig zu, der japanische Nikkei-Index stieg um 2,8 Prozent.

In Deutschland bleiben die Aussichten erst mal trüb. „Die Phase der Bodenbildung wird einige Wochen in Anspruch nehmen“, sagte Christian G. Liste vom Bankhaus Delbrück Bethmann Maffei in Berlin. Bis in den Juli könne der Dax die Linie von 5300 Punkten noch einmal testen und wahrscheinlich sogar unterschreiten. „Auf längere Sicht allerdings eröffnen sich wieder gute Anlagechancen“, sagte Liste. Das Wachstum sei intakt, die Unternehmensgewinne stiegen weiter und bald würden sich auch die Zinsängste auflösen.

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