Wirtschaft : Der Dax klettert auf den höchsten Stand seit Mai 2002

Börsianer sind zwar enttäuscht vom Wahlausgang in Deutschland, lassen sich in ihrem Optimismus aber nicht beirren

Daniel Rhee-Piening

Berlin – Nach der Erholungspause am Dienstag hat der Dax am Mittwoch weiter zugelegt und bereits am Vormittag die Marke von 5000 Punkten mit Leichtigkeit überwunden. Zum Ende des elektronischen Xetra-Handels notierte der deutsche Leitindex dann sogar bei 5048 Punkten und erreichte damit den höchsten Stand seit dem Mai 2002. Zwischenzeitlich hatte das Börsenbarometer sogar 5052 Zähler erreicht.

„Der Markt ist nach wie vor sehr positiv gestimmt. Es scheint, als wolle er unbedingt nach oben“, sagte ein Händler. Stützend wirkten dabei die positive Vorgabe der US-Börsen und aus Asien sowie der wieder rückläufige Ölpreis. „Allerdings sind die Umsätze extrem dünn“, ergänzte er. Bei kleinen Umsätzen aber, kann sich die Richtung schnell ändern.

Die meisten Analysten aber sind sich einig: Den überraschenden Ausgang der Wahl in Deutschland hat die Börse offenbar schnell überwunden, und setzt nun auf eine große Koalition. Deutsche Unternehmen, so sagen die professionellen Beobachter, seien stark genug, um auch in politisch unsicheren Zeiten zu bestehen. Die Frage ist allerdings, ob weiterhin genügend Anlagegelder aus dem Ausland fließen. Immerhin investierten Ausländer in den Monaten Mai und Juni nach Zahlen der Deutschen Bundesbank (jüngere Daten liegen nicht vor) netto 71 Milliarden Euro in deutsche Aktien – soviel wie noch nie.

Nach Ansicht von Goldman Sachs erhalten deutsche Aktien auch künftig Unterstützung vom robusten Wachstum der Weltwirtschaft und ihrer günstigen Bewertung. Gemessen an den Firmengewinnen seien Aktien hier zu Lande 15 Prozent preiswerter als Blue Chips im übrigen Europa. Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, hält nach dem Wahlausgang in Deutschland zwar eine Rezession nicht mehr für ausgeschlossen („Ich rechne damit, dass wir einen Prozentpunkt Wachstum verlieren“), verweist aber auch darauf, dass die im Dax gelisteten Unternehmen bis zu 80 Prozent ihres Umsatzes im Ausland erwirtschaften.

Das Kölner Privatbankhaus Sal. Oppenheim gibt sich weniger zuversichtlich. Das Jahresendziel für den Dax lautet unverändert 4900 Punkte. Analyst Ralf Zimmermann befürchtet, dass sich deutsche gegenüber europäischen Aktien künftig schlechter entwickeln. Strukturreformen dürften sich in einer großen Koalition länger hinziehen. Auch die Commerzbank geht zwar davon aus, dass sich Reformen nun in einer großen Koalition länger hinziehen, setzt aber auf eine Reform der Unternehmenssteuern. Längerfristig seien aufgrund der Gewinndynamik der Unternehmen deutlich höhere Kurse möglich.

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