Wirtschaft : Der Dax scheitert an 4000 Punkten

Veronika Csizi

Vier Mal hat der Dax im September mit der Hürde von 4000 Punkten gekämpft. Vier Mal hat er sie nicht geschafft. Unter dem Strich blieb dem Deutschen Aktienindex dennoch ein Plus von 4,2 Prozent auf 3945 Punkten bis Donnerstagmittag. Damit überflügelte der Index die großen US-Indizes deutlich.

Einen Grund dafür sehen Experten in der erheblichen Unterbewertung deutscher Standardwerte. Mit einem so genannten Kurs-Gewinn-Verhältnis von im Schnitt unter zwölf lägen die 30 Dax-Werte deutlich unter ihrem langjährigen Durchschnittswert von etwa 17. Dennoch: Wie oft in Zeiten steigender Kurse war es auch im September nicht einfach, die Gewinneraktien zu finden. Denn nur acht Werte überflügelten den Dax, 22 legten dagegen eine schwächere Performance aufs Parkett.

Ganz vorne mischten vor allem die Banken mit, bei denen erneut Fusionsfantasien aufkeimten. Angeheizt durch eine Äußerung von Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller, wonach grundsätzlich alle deutschen Banken von einer Übernahme bedroht seien, legten vor allem Hypo-Vereinsbank-Papiere mit rund 16 Prozent und Commerzbank-Aktien mit gut elf Prozent kräftig zu. Müller zufolge reiche beispielsweise der Citigroup oder der HSBC bereits ein Jahresgewinn, um beide deutschen Häuser zu übernehmen. Die Deutsche Bank kündigte ihrerseits Zukäufe im Privatkundengeschäft an, zudem wurde der erweiterte Vorstand umgebaut. Als deutscher Bankenprimus profitierte die Deutsche Bank gleichwohl von den Fusionsspekulationen am wenigstens und konnte nur fünf Prozent zulegen.

Nach Hypo-Vereinsbank und Commmerzbank war die Schering-Aktie drittstärkstes Papier. Der Pharmakonzern setzte damit seinen Aufwärtstrend seit März 2003 fort, gewann allein im September 11,4 Prozent. Kaufargumente dürften hier neben der wohl anstehenden Zulassung des Krebsmittels Bonefos in den USA die Aussicht auf steigende Arzneimittelpreise sein.

Unter Druck standen im September vor allem Autowerte, die Post, die Lufthansa und Infineon. Auch die Versicherer konnten kaum Käufer anlocken. Die Aktionäre von VW, BMW und Daimler-Chrysler wurden von stagnierenden Kursen enttäuscht. Der hohe Ölpreis hinterließ hier deutliche Spuren. Die auf dem Pariser Autosalon vorgestellten „großen Benzinfresser“ seien zurzeit nicht gefragt, sagten Branchenbeobachter. Auch die Verluste bei der Lufthansa begründeten Aktienhändler mit dem Ölpreis, obwohl die Fluglinie 90 Prozent ihres Treibstoff-Bedarfs gegen Kostensteigerungen abgesichert hat.

Mit einer Gewinnwarnung für ihre Logistiktochter DHL überraschte die Post. Post-Chef Klaus Zumwinkel kappte die Ziele für das US-Geschäft deutlich, DHL macht 2005 ein Minusgeschäft. Die Quittung der Börse folgte prompt: Die Aktie Gelb gab um 3,1 Prozent nach.

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