Wirtschaft : Der Decke auf den Grund gehen

Die Haut unseres Flachdaches hat Blasen. Wo kann die Ursache liegen – und was sollen wir tun?

WAS STEHT INS HAUS?

Unser Einfamilienhaus ist etwa 20 Jahren alt. Es besitzt ein einschaliges, wärmegedämmtes Flachdach, das nicht für eine Nutzung vorgesehen ist. Mein Mann hat jetzt bei einer Inspektion des Daches festgestellt, dass die Dachhaut Blasen hat. Der herbeigerufene Dachdecker riet uns, die Blasen abzustoßen und nur eine Reparatur der Teilflächen durchzuführen. Unser Nachbar empfahl uns jedoch, eine Sanierungsbahn auf dem gesamten Dach aufzubringen. Da wir unser Dach vor dem Herbst noch reparieren möchten, würden wir gerne wissen, was am besten getan werden kann.

WAS STEHT IM GESETZ?

Eine normierte Sanierungslösung für diesen Fall gibt es nicht. Nur die Verwendung geeigneter Materialien und deren fachgerechte Verarbeitung ist in Regelwerken, wie der Verdingungsordnung für Bauleistung (VOB) und den weiteren geltenden Normen erfasst. Für Blasenbildungen an bituminösen Dachabdichtungen einschaliger Dachkonstruktionen gibt es in der Regel zwei Ursachen: Entweder dringt in geringem Maße durch Leckagen der oberen Dachbahn Niederschlagswasser ein (was noch nicht zu Durchfeuchtungen der darunter liegenden Räume geführt haben muss). Oder es besteht die Möglichkeit, dass die Dampfsperre undicht ist und deshalb Diffusionsfeuchte aus den warmen Innenräumen während der kalten Jahreszeit in den Dachaufbau gelangen kann. Wird während der Sommermonate die Dachfläche durch Sonneneinstrahlung aufgeheizt, dehnt sich der Wasserdampf in der einschaligen Dachkonstruktion aus und führt an der Oberfläche der oberen Dachhaut zur Blasenbildung. Durch die Blasenbildung selbst erfolgt eine Dehnung der Dachabdichtungsbahn, was mittelfristig den Abdichtungsstoff zermürbt. Im erstgenannten Fall kann die Blasenbildung abgestoßen und mit einem Reparaturflicken verträglicher Materialien fachgerecht repariert werden. Im zweiten Fall kann auf Sie möglicherweise eine umfangreiche Sanierung zukommen, da die Funktionsfähigkeit der vorhandenen Dampfsperre geprüft werden muss. Unter Umständen muss die Dampfsperre auch erneuert werden.

UND WIE STEHEN SIE DAZU?

Um die Schadensursache an Ihrer Dachhaut zu beurteilen und fachgerechte Reparaturmaßnahmen vorzuschlagen, ist die Hilfe eines Fachingenieurs notwendig. Durch eine bauphysikalische Berechnung kann geprüft werden, ob der ausgeführte Dachaufbau schadensfrei ist oder ob sich zwangsläufig jährlich Kondenswasser im Schichtenaufbau ansammeln kann. Sollte eine Sanierungsbahn aufgebracht werden, kann auch berechnet werden, ob Ihr Dach bauphysikalisch danach funktioniert, weil auf die vorhandene Dachabdichtung eine weitere Abdichtungsbahn aufgebracht wird und somit das Dach oben noch dampfdichter wird. Als Sanierungsbahn können Sie bei einer vorhandenen bituminösen Abdichtung ein gleichartiges Material, wie zum Beispiel eine Polymerbitumenbahn mit Gewebeeinlage und beschieferter Oberfläche nach DIN V 20000 verwenden.

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