• Der deutsche Bauträger beantragt ein Insolvenzverfahren - Angeblich Finanzprobleme bei Objekten im Osten

Wirtschaft : Der deutsche Bauträger beantragt ein Insolvenzverfahren - Angeblich Finanzprobleme bei Objekten im Osten

Eva Schweitzer

Der Absturz kam so schnell und atemberaubend wie der Aufstieg: Roland Ernst, einer der größten Bauträger Deutschlands, hat Insolvenz beantragt; eine Konsequenz aus dem "Imageverlust", nachdem Ernst im März in Untersuchungshaft genommen worden war. Es gebe Finanzprobleme bei Ernsts Immobilienprojekten in den neuen Ländern, teilte die Unternehmensgruppe am Freitag mit. Von dem Verfahren seien nur einzelne Gesellschaften erfasst. Die "überwiegende Zahl" der Ernst-Firmen, insbesondere die Fonds-Gesellschaften, sei nicht betroffen. In der Stellungnahme richtete die Gruppe Vorwürfe an die Justiz: Die gegen Ernst erhobenen Vorwürfe und seine zeitweilige Untersuchungshaft hätten das Vertrauensverhältnis zu einigen "Banken und Partnern" beeinträchtigt. Vorläufiger Insolvenzverwalter ist der in zahlreichen Insolvenzverfahren vertretene Heidelberger Anwalt Jobst Wellensiek. In den nächsten Wochen solle geprüft werden, ob der Insolvenzplan von der erforderlichen Mehrheit der Gläubiger gebilligt wird, teilte Wellensiek mit.

Das von der Staatsanwaltschaft Bochum gegen Ernst eingeleitete Ermittlungsverfahren wegen Betrugs- und Untreueverdachts habe indirekt zu dem Insolvenzantrag beigetragen, sagte Alexander Keller, der Anwalt Ernsts in dem Strafverfahren, gegenüber der dpa. "Das Verfahren hat einen sehr hohen Imageschaden angerichtet." Ernst war im März für eine Woche in Untersuchungshaft genommen worden. Er soll früheren Angaben der Bochumer Staatsanwaltschaft zufolge in drei Fällen einen Schaden von mehr als einer Million Mark verursacht haben. Ernsts Immobilienimperium wird auf zwölf bis 15 Milliarden Mark geschätzt.

Ernst hat seine Karriere in den 60er Jahren in Heidelberg begonnen, und zwar als Möbelhändler. Für eine Niederlassung ließ er damals ein Gebäude errichten, jedoch bescherte ihm der Stress einen Kollaps und einen monatelangen Krankenhausaufenthalt. Das Haus musste er an die "Rhenus GmbH" vermieten. Die fragte wenig später, ob er ein weiteres Gebäude anbieten könne. So wurde Ernst zum Bauunternehmer. Er baute Büros, Lager- und Kaufhäuser sowie Hotels, wechselte bald von Heidelberg nach Frankfurt (Main) und errichtete dann Gewerbeimmobilien in Paris, Tokio, Hongkong und Sydney, meist für Großkunden wie Siemens, AEG, IBM oder BASF. Er baute das ABB-Bürohaus in Mannheim, das Rechenzentrum der Lufthansa am Rhein-Main-Flughafen und das "Maritim" in Hamburg. Seine Geschäfte führte er vom Heidelberger Ramadan Renaissance Hotel aus, ebenfalls ein Ernst-Bau.

Aber richtig groß wurde die Firma erst mit der Wende, als Ernst Immobilien in den neuen Länder aufkaufte, von der Treuhand, aber auch von Alt-Eigentümern. Der größte Komplex waren 120 Grundstücke des in die USA ausgewanderten Jacob Michael, darunter die Hackeschen Höfe in Berlin-Mitte. Ernst wurde einer der größten Bauunternehmer Berlins. So erwarb er einen Streifen am Potsdamer Platz mit dem "Haus Vaterland"-Grundstück, wo er für ABB baut, errichtete am Spreeufer die "Treptowers" für die Allianz und zog die Galeries Lafayette an der Friedrichstraße hoch.

Zu den prominenten Bauwerken in den neuen Ländern zählt das "Potsdam Center", die Dresdner-Bank-Filiale am Dresdner Altmarkt und das ehemals volkseigene Geräte- und Reglerwerk Teltow, das er zum Gewerbepark umbaute. Als bekannt wurde, dass Ernst das 300 000-Quadratmeter-Grundstück für nur eine Mark gekauft hatte, schaltete sich die Staatsanwalt ein. Nach der spektakulären Schneider-Pleite hieß es: "Der Ernst ist der nächste." Aber Ernst hatte sich rundum abgesichert: Die meisten seiner Projekte waren Fondsgesellschaften. Versicherungen oder Banken - allen voran die Bayerische Hypothekenbank - hafteten für den Großteil des Risikos.

1999 begannen neuerliche Ermittlungen. Hierbei ging um den Bau des Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit in Bonn, es sollen, hieß es, überhöhte Preise verlangt worden sein. Ernsts langjähriger Partner Berthold Kaaf wurde zu einer Haftstrafe verurteilt, ein weiterer Beschuldigter, der ehemalige Bonner Oberstadtdirektor Dieter Diekmann, erhängte sich in der Haft. Als nächstes geriet das Projekt Galluspark in Frankfurt ins Visier der Fahnder. Im Zuge der Ermittlungen wurde der Baulöwe verhaftet und kam erst gegen Kaution wieder frei. Inzwischen hat Ernst einen Gutteil seiner Geschäfte an seinen Sohn Falk übertragen. Der hatte im vergangenen Monat sein erstes Richtfest in Berlin: ein Bürohaus Unter den Linden.

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