Wirtschaft : Der deutsche Einzelhandel sortiert sich neu

BERLIN (amü/lip/HB).Der weltweit größte Einzelhandelskonzern, die Wal-Mart Stores Inc.aus den USA, wird große Teile der Supermarktkette Spar übernehmen und damit seine Position in Deutschland deutlich ausbauen.Vor einem Jahr hatte Wal-Mart bereits die Wertkaufkette mit 21 Märkten gekauft.Die Spar Handels-AG zieht sich mit dem Verkauf von 74 SB-Märkten aus diesem Marktsegment zurück und will sich künftig auf Häuser bis zu einer Größe von 5000 Quadratmetern konzentrieren.Durch den Verkauf fließen Spar rund 1,1 Mrd.DM zu.

Wal-Mart stärkt durch den Kauf der 74 Interspar-Warenhäuser seine erst seit Jahresbeginn aufgebaute Stellung auf dem deutschen Markt.Die Amerikaner übernehmen von der Spar-Handels-AG auch alle 7700 Mitarbeiter der betroffenen Filialen und die Wuppertaler Zentrale.Mit einer durchschnittlichen Größe von 21 000 Quadratmetern entsprechen die Interspar-Warenhäuser den Wal-Mart-Einkaufszentren.Anfang des Jahres hatte Wal-Mart 21 Wertkauf-Märkte erworben.Diese Märkte sollen ebenso wie die Spar-Häuser in "Wal-Mart" umbenannt werden.

Spar will sich künftig auf den Großhandel mit selbständigen Einzelhändlern unter den Namen Spar und Superspar konzentrieren, dazu auf den Einzelhandel in bis zu 5000 Quadratmeter großen Eurospar-Märkten und auf Lebensmittel-Discounter unter dem Namen Netto."Mit der Neuausrichtung der Vertriebslinien gleicht sich die Spar Handels-AG den Strukturen ihres französischen Großaktionärs, der Handelsgruppe ITM Intermarché, an, der ebenfalls keine SB-Warenhäuser betreibt", begründet der Spar-Vorstandsvorsitzende Helmut Dotterweich die strategische Neuausrichtung.

Bereits der Einstieg von Wal-Mart bei Wertkauf zu Jahresbeginn habe die deutsche Einzelhandels-Landschaft "rasant verändert", betonte Dotterweich am Mittwoch.Er habe keine Chance mehr gesehen, durch Zukäufe "die nötige kritische Masse im Bereich der SB-Warenhäuser zu erlangen".Denn der deutsche Lebensmittelmarkt habe sich mit der Übernahme von Wertkauf durch Wal-Mart sowie dem Erwerb von Allkauf und Kriegbaum durch den Metro-Konzern aufgeteilt.

In den verkauften Geschäftsfeldern erwirtschaftet Spar bislang einen jährlichen Umsatz von rund drei Mrd.DM einschließlich Umsatzsteuer.Nach Angaben von Dotterweich fließen dem Hamburger Konzern mit dem Verkauf rund 1,1 Mrd DM zu.Mit dem Erlös aus dem Verkauf wolle Spar das Eigenkapital des Konzerns verstärken und sich auf einen Schlag entschulden.Das Geld solle aber vor allem in die Stärkung des selbständigen Spar-Einzelhandels und in die Modernisierung der Einzelhandelsstandorte fließen.Der Chef der Supermarktkette Intermarché, Alain Rocher, sagte in Hamburg, mit der "Kriegskasse" wolle die Spar-Muttergesellschaft Intercontessa "natürlich Erwerbungen anstreben".Intermarché werde zudem seinen Anteil an Intercontessa von 75 auf 100 Prozent aufstocken.

"Das Monopoly der Großen geht diesmal nicht zu Lasten der Kleinen", kommentierte der stellvertretende Geschäftsführer des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), Stefan Schneider, den Deal auf Anfrage.Seit der Wertkauf-Übernahme sei viel über den nächsten Kandidaten spekuliert worden, erklärte Schneider."Sogar der Name Aldi tauchte auf." Das Karussel auf dem Lebensmittelmarkt werde sich weiter drehen.Und nach der Übernahme von Allkauf durch die Metro, sei es nicht unwahrscheinlich, daß auch Unternehmen, denen es gut gehe, verkaufen.Der Chef der Kölner Handelsgruppe Metro, Klaus Wiegandt, hatte bereits im November den Umbau seines Konzerns mit dem Eintritt von Wal-Mart auf den europäischen Markt begründet: "Die Investoren sagen uns: Macht Euch leichter, Wal-Mart kommt nach Europa".

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