Wirtschaft : Der Deutsche Kurt Ochner gilt als einer der einflussreichsten Experten für den Neuen Markt

Michael Maisch

Das Wort Macht hört Kurt Ochner nicht gerne. "Einfluss" ist der Begriff, den der Fondsmanager und Vorstand der Julius Bär Kapitalanlage AG bevorzugt, "weil man mit Macht automatisch etwas negatives in Verbindung bringt".

Tatsache ist, dass Ochner für seinen Julius Bär Multistock Special German Stock Fund mittlerweile 1,5 Milliarden Mark Kapital eingesammelt hat, die Hälfte davon steckt im Neuen Markt. Mit solchen Summen im Rücken kann man die Kurse schon ordentlich in Bewegung bringen, selbst wenn man das eigentlich gar nicht beabsichtigt.

Wie groß sein Einfluss wirklich ist, zeigte sich zuletzt am 15 Juli. An diesem Tag stockte Ochner für seinen Fonds den Anteil an MWGBiotech von 0,2 auf ein Prozent auf. Die Folge: Der Kurs der Biotechnologieaktie legte um mehr als 60 Prozent zu. "Das war ein kleines Spiel", meint Ochner. "Andere Marktteilnehmer haben auf fallende Kurse gesetzt, die Frage war, ob wir mehr Geld haben oder die anderen mehr Aktien. Wir haben gewonnen."

Schnell sprangen andere Anleger auf den Zug auf und beschleunigten den ohnehin schon rasanten Aufwärtstrend. "Wenn wir anfangen, unsere Positionen offen aufzubauen, beeinflussen wir damit natürlich subjektiv den Markt", räumt er ein.

Ochner gilt in der Finanzbranche als einer der führenden Experten für kleine und mittlere Unternehmen. Sein guter Ruf gründet auf dem Erfolg seines Fonds, der mit einem Wertzuwachs von rund 300 Prozent seit seiner Auflegung in die Spitzengruppe der deutschen Aktienfonds vorgestoßen ist.

Karrierestart in Baden-Württemberg

Seine Karriere hat der ehemalige Fallschirmjäger der Bundeswehr vor 20 Jahren nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre bei der Baden-Württembergischen Bank gestartet. In seiner Zeit beim Bankhaus Schröder Münchmeyer Hengst trat er dann mit seinem Fonds SMH Special I, der von 1988 bis 1992 einen Wertzuwachs von 75 Prozent erreichte, ins Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit.

Schnell hat sich bei den Privatanlegern herumgesprochen, dass Ochner ein gutes Händchen für profitable Anlagen hat. Mit Spannung beobachten sie deshalb, wo der Fondsmanager investiert. Am Neuen Markt mit seinen starken Kursschwankungen brodelt die Gerüchteküche besonders heftig: Nach einem Besuch Ochners beim Münchner Filmunternehmen Odeon machten im Internet Spekulationen die Runde, der Fondsmanager steige in die Aktie ein. Ein Fehlschluss, trotzdem legte der Odeon- Kurs um 30 Prozent zu.

Der resolute Manager ist sich seiner Macht oder seines Einflusses ganz genau bewusst. Auf keinen Fall will er in einen Topf mit den vielen selbst ernannten Gurus geworfen werden, die mit ihren Empfehlungen am Neuen Markt noch immer für helle Aufregung sorgen können. Deshalb wägt er seine Worte sehr sorgfältig ab: "Die Popularität ist ein zweischneidiges Schwert. Als Fondsmanager kann man wegen des enorm gewachsenen Interesses von Anlegern und Medien leider nicht mehr so diskret arbeiten wie früher." Auf der anderen Seite habe die Medienpräsenz der Julius Bär Kapitalanlage AG geholfen, innerhalb von nur 3 Jahren 6 Milliarden Mark Fondsvermögen anzusammeln.

Trotz des unbestreitbaren Werbeeffekts beschreibt sich Ochner als medienscheu. "Zwei mal im Jahr Fernsehen reicht völlig", sagt er. Ochner sieht sich lieber als soliden Macher im Hintergrund, der schnelle Entscheidungen trifft und auch als Vorstand noch voll im täglichen Investmentgeschäft aktiv ist. Bodenständig zeigt er sich auch in der Wahl seines Wohnorts. Jeden Abend kehrt er Frankfurt den Rücken und pendelt zwei Stunden in den Odenwald. Dort lebt er, nicht weit von Seckach entfernt, dem Ort, in dem er aufgewachsen ist.

Seine Vorbilder findet Ochner in den Unternehmen, in die er investiert: am Neuen Markt. "Im gesegneten Alter von 47 Jahren hat mich die Begegnung mit den Eigentümern der jungen Wachstumsfirmen nochmal richtig in Schwung gebracht. Da steckt sehr viel Herzblut drin, und das merkt man", erzählt er und gibt dabei die ernste Zurückhaltung zumindest für einige Sekunden auf. Begeistern kann sich Ochner vor allem für die Dynamik, die Zielstrebigkeit und das Engagement dieser Unternehmer: "Da ist schon ein klarer Unterschied zu den angestellten Managern in den Großkonzernen."

200 bis 300 Firmen besucht Ochner jedes Jahr. "Bei Diskussionen mit dem Management stellt sich schnell heraus, welche Unternehmer wirklich eine Vision haben und sie auch umsetzen können. Wenn mich eine Aktie überzeugt, dann bin ich auch bereit, massiv einzusteigen und das gesetzliche Limit von fünf Prozent des Fondsvermögens auszureizen", betont er. Mit einem Anteil von zwei Dritteln bilden diese langfristigen Engagements, die mindestens drei Jahre laufen, den Kern seines Portfolios.

Am Neuen Markt fühlt sich Ochner heute wohler denn je. "Der Markt ist viel differenzierter geworden, die Spreu der schlechten Unternehmen trennt sich jetzt vom Weizen der guten." Früher habe man als schlecht informierter Investor viel leichter Geld verdienen können. Die Zeiten der großen Emissionsgewinne und des stürmischen Wachstums am Gesamtmarkt sind nach Ochners Meinung erst einmal vorbei. "Aber gerade wenn sich Unsicherheit am Markt breit macht, kann ein Fondsmanager sein Können beweisen und den Index durch die Auswahl der richtigen Aktien schlagen." Bisher läuft es für den JBMultistock Special German in diesem Jahr ganz gut, auch wenn der Neue Markt seit Juli schwächelt. Von Januar bis Mitte August gewann der Fonds rund 65 Prozent an Wert. Die Blue Chips am Neuen Markt legten in dieser Zeit nur um 20 Prozent zu.

Aber auch für Ochner wird es schwieriger, die richtigen Aktien herauszupicken: "Unter der Emissionsflut der vergangenen Wochen leidet die Qualität", sagt er. "Unternehmen und Banken müssen sich darüber klar sein, dass der Markt im Monat nur fünf Börsengänge verkraften kann und nicht 15." Für die Zukunft ist Ochner trotz der neuen Unübersichtlichkeit nicht bange: "Auch wenn mein Fonds inzwischen ziemlich groß geworden ist, habe ich immer noch mehr Ideen als Geld", versichert er. Eine dieser Ideen nutzte er zum Autokauf. Statt mühsam Geld zusammenzusparen, kaufte er vor vier Jahren 100 Porsche-Aktien zum Kurs von 600 Mark und motivierte den Vorstand in Zuffenhausen: Von dem Geld wolle er sich einen Sportwagen leisten, ließ er die Porsche-Bosse wissen. Die Autobauer lösten ihre Aufgabe besser als erwartet. Innerhalb von zwei Jahren vervierfachte sich der Kurs. Ochner fährt im ländlichen Odenwald nicht nur Traktor, sondern auch mit einem Porsche 911 Cabrio spazieren.

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