Wirtschaft : Der Dialyse-Spezialist ersetzt Hoechst im Dax

FRANKFURT (MAIN) (rtr). Die mit Spannung erwartete Entscheidung um den Aufstieg in die erste deutsche Börsenliga ist gefallen. Die Fresenius Medical Care AG (FMC) wird von September diesen Jahres an die Hoechst AG im Deutschen Aktienindex (Dax) ersetzen. Hoechst fällt aufgrund der geplanten Fusion mit Rhône-Poulenc und der damit verbundenen Umwandlung in eine französische Gesellschaft aus dem wichtigsten deutschen Kursbarometer heraus. Der Vorstand der Deutschen Börse entschied zugleich, daß die Düsseldorfer Filialbäckerei Kamps AG für FMC in den MDax für 70 Nebenwerte aufsteigen wird.Die Änderung im Dax wird am 20. September umgesetzt. Bis dahin bleibt FMC im M-Dax, der die 70 nächstgrößten Unternehmen umfaßt. In den M-Dax rückt aus dem S-Dax dann die Düsseldorfer Bäckerei-Kette Kamps nach. Sollten bis zur Umstellung die Aktionäre der im M-Dax notierten Gea (Maschinenbau) und Metallgesellschaft (Mischkonzern) der geplanten Fusion zugestimmt haben, würde Gea aus dem Index genommen. Den freien Platz würde dann die Darmstädter Software AG einnehmen. Der Platz von Kamps im S-Dax wird von der Brüder Mannesmann AG übernommen. Gemessen am derzeitigen Börsenwert würde die Aktie der FMC Rang 28 einnehmen. Da mit der Hoechst-Aktie ein wesentlich "größerer" Wert ausscheidet, dürften sich die Gewichte aller anderen Unternehmen nach oben verschieben.Der FMC-Vorstandsvorsitzende Ben Lipps bezeichnete die Wahl seines Unternehmens als "eindrucksvolle Bestätigung unserer Arbeit". Der Dialyse-Spezialist FMC ließ mit seinem Aufstieg in den Dax die beiden Mitbewerber Continental (Reifen) und Ergo (Versicherungen) hinter sich. FMC qualifizierte sich, da es die sogenannte 35/35-Regel erfüllt, also nach Börsenumsatz und Marktkapitalisierung zu den 35 größten Börsengesellschaften des Landes zählt. Grundlage war die von der Deutschen Börse per Ende Juni herausgegebene Rangliste, auf der FMC mit einem Umsatz von gut 515 Mill. Euro und einem Börsenwert von etwa 4,2 Mrd. Euro die Plätze 35 und 34 belegte.FMC hat Analysten zufolge einen Trick angewendet, um in die Reihen der heißesten Dax-Favoriten vorzustoßen. Die Mutter Fresenius hatte erst vor wenigen Wochen angekündigt, daß sie die Börseneinführung ihres FMC-Anteils von 50,3 Prozent vorbereite. Durch diesen Schritt würde die Marktkapitalisierung von FMC auf rund 4,2 Mrd. Euro fast verdoppelt und das Unternehmen vom 48 auf den 34 Platz der Börsen-Rangliste katapultiert.Kamps Weg in die Reihen der größten deutschen Börsengesellschaften führte vor allem über eine aggressive Akquisitionsstrategie. 1998 kaufte der Filialbäcker 320 Geschäfte hinzu, womit die Zahl der Läden auf 783 anwuchs. Bis Ende Juni stieg die Anzahl der Kamps-Bäcker auf mehr als 1100 an.Geändert wurden auch die Regeln für die Aufnahme in einen Index. So muß ein Wert zum Stichtag mindestens 30 Tage notiert sein, bevor er in einen Index aufgenommen werden kann. Dies gilt auch für einen Wechsel des Marktsegments. Ferner wurde eine Kappungsgrenze von 15 Prozent im Dax beschlossen. So soll einem übergroßen Gewicht einzelner Titel vorgebeugt werden.

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