Wirtschaft : Der Dollar genießt das Vertrauen der Welt

WALTER PFAEFFLE

Für den schwachen Euro muß die D-Mark den Kopf hinhaltenVON WALTER PFAEFFLE

NEW YORK.Altkanzler Helmut Schmidt prophezeite einmal, der Dollar werde niemals unter 2 DM fallen.Am 1.März 1978 war es soweit, der Greenback landete bei 1,9922 DM.Im März 1980 erreichte der Dollar mit 1,7062 DM ein vorläufiges Tief.Nach dem Amtsantritt von Präsident Reagan kehrte das Vertrauen in die Stärke der USA zurück, der Dollar begann zu steigen.Im Frühjahr 1985 erreichte er mit knapp 3,47 DM ein Zwischenhoch, doch schon im Herbst stand wieder eine zwei vor dem Komma.Das steigende US-Haushaltsdefizit und die Spekulationswelle an der Wall Street, die mit dem Krach vom 19.Oktober 1987 endete, hatten das Vertrauen in Amerika untergraben.Es folgte ein langjähriger Dollarabstieg, der 1995 bei 1,35 DM endete. Jetzt liegt die US-Devise wieder im Aufwind.In jüngster Zeit hoffte der deutsche Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer, ihn bei 1,75 DM zu stoppen ­ vergeblich.Am Montag lag er knapp unter 1,85 DM, und wer weiß, ob er nicht bald eine zwei vor dem Komma hat.Die Zentralbanken werden es nicht verhindern können.Die Dollarhausse ist eine Vertrauenssache, wie davor sein Abstieg.Nicht nur die D-Mark wird von der Dollarwelle weggespült, auch die Dämme aller anderen Währungen brechen, in Europa wie in Asien. Dafür gibt es Gründe: Die US-Regierung baut konsequent das Haushaltsdefizit ab, die amerikanische Wirtschaft wächst ohne nennenswerte Inflation, und US-Firmen verdienen sich weltweit goldene Nasen.Hinzu gesellt sich der belagerte Euro, für den die D-Mark den Kopf hinhalten muß. Ein Leitartikler der Zeitschrift "Business Week" teilt den Kapitalismus in zwei Lager auf ­ in die marktwirtschaftlich getriebenenen angelsächsischen Länder und Kontinentaleuropa sowie Asien, wo staatliches Management die freie Entfaltung der Wirtschaftskräfte hemmt.In Deutschland und Frankreich fehle der politische Wille, die Wirtschaftssysteme aus den bürokratischen Zwangsjacken zu befreien und die Wohlfahrtssysteme abzubauen; in Asien schirmten Bürokraten ihre Inlandsunternehmen vor ausländischen Konkurrenten ab.Auf beiden Kontinenten wird nach dieser Darstellung der status quo verteidigt.Die Deutschen wollten sich mit Hilfe einer schwachen D-Mark aus der Wirtschaftskrise herausexportieren und südostasiatische Regierungen werteten ihre Währungen ab, um sich auf den Dollarmärkten mit Billigexporten zu bekriegen.In dieser bipolaren kapitalistischen Welt, so "Business Week" ganz nach Präsident Clinton, sendet der starke Dollar ein deutliches Signal an die Verantwortlichen in Europa und Asien: Hört auf Eure Märkte und befreit Eure Wirtschaftssysteme.

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