Wirtschaft : Der Druck auf Ackermann wächst

Bankenpräsident stellt sich hinter seinen Kollegen

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Frankfurt am Main - Einen Tag nach dem spektakulären Mannesmann-Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) häufen sich die Forderungen nach einem Rücktritt von Deutsche-Bank-Vorstandschef Josef Ackermann. Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Olaf Scholz, forderte Ackermann am Donnerstag indirekt zum Rücktritt auf. Zwar sei es jetzt Aufgabe der Bank, zu entscheiden, welche Konsequenzen sie aus dem Urteil ziehe, sagte Scholz dem Handelsblatt: Er glaube aber, „dass es sehr schwer ist, nach einer solchen Entscheidung so zu tun, als sei nichts gewesen“.

„Die Hütte brennt, und der Image-Schaden ist sehr groß“, sagte die Grünen-Finanzexpertin Christine Scheel. „Ich finde, der Aufsichtsrat ist jetzt gefragt.“ Der CDU-Finanzpolitiker Otto Bernhardt sagte, der Druck auf Ackermann werde zunehmen: „Die Frage wird sein: Wie lange hält die Bank das ohne Schaden aus?“ Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) sagte im „Inforadio“, das Urteil sei „eine Aufforderung, über die Unternehmenskultur und die Unternehmermoral in diesem Lande neu zu diskutieren“. Ziel müsse eine Verhaltensänderung der Manager sein. Thierse plädierte für freiwillige Maßnahmen der Unternehmen, schloss aber gesetzliche Regelungen nicht aus.

Der BGH hatte den Freispruch für Ackermann und fünf weitere Angeklagte aufgehoben, und unter anderem bemängelt, dass bei der Sonderzahlung des Mannesmann-Aufsichtsrats an Führungskräfte in Höhe von insgesamt 57 Millionen Euro „der Tatbestand der Untreue verwirklicht“ worden sei.

Dagegen stellte sich der Präsident des Bundesverbands deutscher Banken, Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller, demonstrativ hinter Ackermann. „Ich bedaure, dass der Kollege Ackermann sich erneut einer gerichtlichen Auseinandersetzung stellen muss“, sagte Müller vor Journalisten. Bonus-Zahlungen müssten bei besonderen Leistungen einzelner Mitarbeiter auch künftig möglich sein, selbst wenn sie im Arbeitsvertrag nicht vorgesehen seien. ro/doe/hjk/HB

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