Wirtschaft : Der Druck auf die Ölpreise hält an

bba/HB

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) wird voraussichtlich noch diese Woche die erwartete Förderkürzung für Erdöl bekannt geben. Zu diesem Zweck treffen die Erdölminister der Länder des weltweiten Ölkartells am Freitag in Kairo zusammen. Geplant ist, ab Anfang 2002 täglich 1,5 Millionen Barrel Öl weniger auf dem Weltmarkt anzubieten, um den Ölpreis zu stützen.

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Die konjunkturelle Abkühlung in den Industriestaaten hat die Nachfrage nach Öl in den vergangenen Monaten empfindlich sinken lassen. Und eine Belebung werde einige Zeit auf sich warten lassen, sagen Experten der Ölbranche. Dies bedeute auf unabsehbare Zeit Druck auf die Ölpreise. Das Opec-Kartell kontrolliert rund zwei Drittel der weltweiten Ölexporte. Parallel zur Förderkürzung durch die Opec-Länder wollen Nicht-Opec-Produzenten ihre Förderung um täglich knapp 500 000 Barrel drosseln. Durch die abgestimmte Aktion wollen die Ölförderländer einen Preiskrieg vermeiden. Im November hatten sich die Verantwortlichen auf die Produktionskürzung geeinigt, vorausgesetzt, die Nicht-Opec-Produzenten ziehen mit. Nun hat das Kartell seine Kürzungen aber beschlossen, ohne das offizielle Zugeständnis Russlands einzuholen, seine Ölproduktion zu senken. Lediglich eine vage Zusage der Russen liege vor, und die Bereitschaft zu verhandeln. Die Opec-Länder erhofften sich von Russland dagegen verbindliche Angaben, wie viel und wie lange das Land die Förderung drosselt.

Im Dezember hatte Russland selbst für eine Kürzung von 150 000 Barrel Öl pro Tag plädiert. Dies entspricht der Menge, um die Russlands Exporte im Winter normalerweise sinken, weil das Land selbst mehr Öl verbraucht. Saudi-Arabien, so Opec-Vertreter, fürchte, dass Russland seine Förderbeschränkungen nur bis zum Frühling aufrechterhalten wird.

Auch Norwegen, weltweit drittgrößter Erdöl-Exporteur, könnte der Opec Schwierigkeiten bereiten. Das Land hat zwar für eine Kürzung der Fördermenge um täglich 150 000 Barrel plädiert. Aber die Menge basiert auf Berechnungen, wie hoch künftig die Produktion ausfallen könnte und meist hat Norwegen diese Prognosen zu hoch angesetzt.

Neben Russland und Norwegen haben in den vergangenen Wochen auch die Nicht-Opec-Länder Mexiko und der Oman Kürzungen ihrer Fördermengen zugesagt. Insgesamt beträgt das avisierte Kürzungsvolumen der Kartell-Außenseiter 440 000 Barrel. Auf der anderen Seite will der Jemen seine Produktion um 100 000 Barrel auf dann 550 000 Barrel steigern.

Experten halten sich angesichts der unklaren Aussagen einzelner Länder mit Prognosen über den Ausgang der eilig einberufenen außerplanmäßigen Konferenz zurück. Denkbar sei sowohl die angekündigte Drosselung der Produktion als auch ein Öffnen aller Förderhähne, hieß es aus dem Opec-Hauptquartier in Wien.

Die Opec-Minister müssen am Ende dieser Woche in Kairo entscheiden, ob die in Aussicht gestellten Kürzungen außerhalb ihrer Organisation ausreichen, um die eigenen Produktionsdrosselungen auch wirklich in Kraft treten zu lassen. "Heute zählt jedes einzelne Barrel, das vom Markt verschwindet", hatte der Opec-Generalsekretär Ali Rodriguez Araque in Wien erklärt. Durch die Verknappung des Rohöls soll der Barrelpreis wieder deutlich über 20 Dollar gedrückt werden. Zuletzt war ein Barrel für klar unter 18 Dollar zu haben.

Mehrere Opec-Staaten haben bereits riesige Löcher in ihren Staatshaushalten auf Grund der niedrigen Ölpreise beklagt. Die meisten Länder haben bei der Kalkulation ihrer Budgets einen Preis von rund 20 Dollar einkalkuliert. "Wir wollen nicht noch einmal den Weg wie 1998/1999 gehen", als der Barrelpreis unter zehn Dollar gefallen war, sagte Araque. Angesichts riesiger Ölreserven könnten sich die Opec-Minister auch auf einen Preiskrieg mit Norwegen und Russland einlassen, indem die Ölhähne voll aufgedreht werden. Doch auch Russlands Staatshaushalt ist von Einnahmen aus dem Erdölexport abhängig, was für ein Einlenken im Streit mit der Opec spricht.

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