Wirtschaft : Der Druck auf die Zentralbank wächst

Euro sackt zwischenzeitlich auf ein Jahrestief / Viele Ökonomen erwarten Zinssenkung

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Der EuroKurs ist am Montag zeitweise auf ein neues Jahrestief bei 1,2050 Dollar gefallen. Später erholte sich die Notierung zwar wieder, der Druck auf den Wechselkurs ließ aber kaum nach. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Mittag bei 1,2118 Dollar fest, nach 1,2173 Dollar am Freitag.

Den Grund für den erneuten Einbruch sahen Beobachter in Spekulationen über eine Zinssenkung im Euroraum. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet und Mitglieder des Notenbankpräsidiums hatten zuletzt mögliche Änderungen der Wachstums- und Inflationsprognosen angedeutet, weil die Konjunktur im Euroraum nicht wie erhofft anspringt. Am Donnerstag kommt die EZB zu ihrer turnusmäßigen Sitzung zusammen. Zwar rechnet die Mehrheit der befragten Vokswirte nicht mit einem Zinsschritt. Wie immer bewegen entsprechende Gerüchte aber im Vorfeld einer EZB-Sitzung den sensiblen Devisenmarkt. Würden die Zinsen unter das aktuelle Niveau von zwei Prozent sinken, verlöre der Euro als Anlagewährung an Attraktivität. Zudem würde sich der Zinsabstand zu den USA verringern, wo der Leitzins bei einem Prozent liegt. Zugleich würde die deutsche Exportwirtschaft entlastet, die ihre Waren und Dienstleistungen in den Dollarraum verkauft. „Die EZB könnte die grundsätzliche Bereitschaft der Geldpolitik zu einer Zinssenkung für den Fall signalisieren, dass die konjunkturelle Entwicklung deutlich hinter den bisherigen Erwartungen zurückbleibt“, glauben die Euro-Experten von HSBC Trinkaus&Burkhardt.

Volkswirte waren zuletzt deutlicher geworden und hatten die EZB zu einer Zinssenkung aufgefordert, weil Frühindikatoren wie das Gfk-Konsumklima oder der Ifo-Geschäftsklimaindex gesunken sind. Führende internationale Banken schließen inzwischen eine Zinssenkung der EZB nicht mehr aus. Auch die Deutsche Bank hat ihre Einschätzung der EZB-Politik geändert: In den nächsten drei Monaten werde der Leitzins um 0,25 Prozentpunkte sinken, teilte die Bank am Montag mit.

„Das Geld ist bereits billig“, sagte hingegen der Leiter des Hamburger Weltwirtschaftsarchivs HWWA am Montag in einem Interview. Statt eines geldpolitischen Problems habe man in Europa strukturelle Probleme. „Die kann weder die Zentralbank noch deren Geldpolitik lösen. Das muss die Wirtschaftspolitik selber machen.“ Auch die US-Investmentbank Morgan Stanley erwartet keine Zinssenkung. „Mit einem Leitzins von zwei Prozent ist der Boden des Zinssenkungszyklus erreicht“, schrieben die Experten am Montag. Der Devisenmarkt sei „sich selbst davongelaufen“; die Erwartung, dass die Zinsen sinken, werde deshalb enttäuscht. mot

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