Wirtschaft : Der Druck lässt nicht nach

-

Von Maurice Shahd

Schüttelt man eine Dose mit Limonade oder Bier, erhöht sich der Druck, aber die Dose wird nicht platzen. Ähnlich stabil wie Weißblech zeigt sich Umweltminister Trittin im Streit um das Dosenpfand. Der Prüfung aus Brüssel sieht der Minister gelassen entgegen, weil er gute Argumente dafür hat, dass das Dosenpfand ausländische Anbieter nicht behindert. Die bestehenden Rücknahmesysteme sind für jeden Hersteller offen und im ersten Halbjahr sind die Getränkeimporte sogar gestiegen. Tatsächlich wird das Verfahren der EU in der Praxis wenig ändern, weil Brüssel das Pfand vor einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes nicht stoppen kann. Und damit ist frühestens in zwei bis drei Jahren zu rechnen.

Das Verfahren der EUKommission ist aber eine Bestätigung für die Gegner des Pfandes in Deutschland. Für Händler und Industrie ist der Rüffel aus Brüssel eine gute Ausrede, um von ihrem Unvermögen abzulenken, ein kundenfreundliches Rücknahmesystem aufzubauen. Der Unmut wächst aber auch in der Bevölkerung. Zwar sind immer noch drei Viertel der Verbraucher in Deutschland für das Einwegpfand, aber fast genauso viele sind mit dem derzeit praktizierten Rücknahmesystem unzufrieden. Das bundesweit einheitliche Rückgabesystem, das Trittin angekündigt hatte, existiert nicht. Stattdessen gibt es zahlreiche Insellösungen einzelner Handelsketten. Damit sparen die Händler Geld, weil sie keine teuren Rücknahmeautomaten aufstellen müssen. Die geltende Pfand-Regelung lässt das zu. Ist Trittin konsequent, hat er zwei Möglichkeiten. Entweder schließt er die Lücke in der Verordnung und zwingt die Händler zu einem einheitlichen Rücknahmesystem. Oder er schafft das Dosenpfand wieder ab.

0 Kommentare

Neuester Kommentar