Der Einzelhandel reagiert : Alles außer Gemüse

Einzelhandel und Caterer reagieren auf die steigende Zahl der EHEC-Fälle und nehmen spanische Gurken aus dem Sortiment. Doch dabei wird es wohl nicht bleiben: Unternehmen aus allen Bereichen des Obst- und Gemüsesektors richten sich bereits auf das Schlimmste ein.

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Gemüse kaufen? Ja, aber. Foto: dpa
Gemüse kaufen? Ja, aber.Foto: dpa

Für viele Kinder geht in diesen Tagen ein Traum in Erfüllung. Endlich gibt es in der Schulkantine keinen Salat mehr, kein Obst und keine Rohkost. Der Caterer Sodexo, der allein in Berlin 150 Schulen und Kitas versorgt, verzichtet nach der steigenden Zahl von EHEC-Fällen in Deutschland bis auf Weiteres auf das Salatbuffet und lässt auch Rohkost wie Paprika und Karotten aus dem Programm, „um jegliche Gefährdung unserer Gäste zu unterbinden“, heißt es in einer Stellungnahme. Was für viele Kinder eine Freude ist, bereitet den deutschen Bauern und dem Einzelhandel große Sorgen.

Denn Sodexo ist nicht allein mit der Vorsicht. Auch der Caterer Apetito, der jeden Tag rund 1,3 Millionen Deutsche mit Essen versorgt, verzichtet vorübergehend auf Salate, ungegartes Gemüse und Obst, das man nicht schälen kann. Obwohl die Herkunft des Krankheitserregers immer weiter eingegrenzt wird, halten viele Anbieter an den Vorsichtsmaßnahmen fest, um auf der sicheren Seite zu sein. Die Gemüsehändler befürchten deutliche Einnahmeausfälle. Andreas Brügger, Geschäftsführer des Deutschen Fruchthandelsverbandes (DFHV), der die Interessen von Unternehmen aus allen Handelsbereichen des Obst- und Gemüsesektors vertritt, rechnet mit „katastrophalen Auswirkungen“ und einem „Totalausfall“.

Im Einzelhandel war die Stimmung in den vergangenen Tagen noch recht entspannt. „Uns ist keine Panik bekannt, weder unter den Händlern noch unter den Verbrauchern“, sagt Christian Böttcher, Sprecher des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels (BVL). Auch dem Gastronomie-Verband Dehoga war am Donnerstag noch kein verändertes Gästeverhalten bekannt. „Es gibt jetzt erste Nachfragen der Mitglieder“, sagt Dehoga-Sprecherin Stefanie Heckel. Eine konkrete Empfehlung, bestimmte Produkte nicht mehr zu verwenden, gab der Dehoga jedoch nicht aus. Da sich die Nachrichtenlage jeden Tag ändere, könne man sich nicht auf eine Region oder ein Produkt beschränken, sagt Heckel. „Wir haben unsere Mitglieder zu noch größerer Vorsicht und Hygiene aufgefordert.“

Beim BVL geht man allerdings davon aus, dass die konkreten Hinweise auf Gurken sich in den kommenden Tagen auch im Einzelhandel auswirken werden. Als Erster reagierte am Donnerstag der größte deutsche Handelskonzern Metro und nahm spanische Salatgurken aus dem Sortiment. Das betreffe auch die Tochterunternehmen Real und Kaufhof, sagte ein Unternehmenssprecher. Am Nachmittag reagierten Edeka, Kaisers-Tengelmann, Rewe und Aldi-Nord entsprechend.

Während sich die norddeutschen Gemüsebauern erleichtert über die Nachricht zeigten, dass die Gurken nun wahrscheinlich aus Spanien kommen, kritisierte BVL-Sprecher Böttcher die widersprüchlichen Angaben des Robert-Koch- Instituts, das den Erreger erst in Gemüse aus Norddeutschland verortet hatte. „Es wird immer erwartet, dass der Handel schnell reagiert, aber das geht nur, wenn die Behörden ihre Ergebnisse transparent machen“, sagt er. „ Die Verunsicherung ist groß, das läuft im Moment nicht optimal.“

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