Wirtschaft : Der Einzelkämpfer hat es schwer

JOACHIM HOFER

Auch an der Spree geht der Trend hin zu größeren Anwaltskanzleien / Die Fusionswelle rolltVON JOACHIM HOFER

Auch an der Spree setzt sich der Trend zu immer größeren Anwaltskanzleien fort.Seit dem gestrigen Freitag tritt die renommierte Sozietät Gaedertz, Vieregge, Quack und Kreile gemeinsam mit den Frankfurter Rechtsanwälten Albert, Flad & Schlosshan auf.Mit 130 Anwälten ist so die fünftgrößte Wirtschaftskanzlei in Deutschland entstanden.Durch die Fusion der zwei traditionsreichen Anwaltssozietäten Heuking Kühn Lüer Kunz Wojtek mit Heussen Braun von Kessel war bereits zum 1.Juli eine neue Großsozietät mit 120 Anwälten entstanden. "Wir waren in Frankfurt unterrepräsentiert" ­ für Wolfgang Rosener ist die Verschmelzung mit der Kanzlei vom Main eine sinnvolle Ergänzung der eigenen Aktivitäten.Rosener, als Partner von Gaedertz, Vieregge, Quack und Kreile in Berlin tätig, sieht Frankfurt noch immer als einen der wichtigsten Standorte in der Bundesrepublik.Doch damit nicht genug: Die Hessen sind stark im Auslandsgeschäft mit den USA.Ein Zweig, den Gaedertz & Co.gut gebrauchen können.Die Großkanzlei war bislang im Ausland allein in Brüssel und Prag präsent.Um zusammenzuwachsen, ziehen die bisherigen Filialen von Gaedertz in Wiesbaden und am Flughafen Frankfurt mit den Büros von Albert, Flad & Schlosshan im Zentrum von Frankfurt zusammen.Gaedertz gilt als führendes Büro insbesondere im Wirtschafts-, Kartell- und Medienrecht sowie beim gewerblichen Rechtsschutz.Schwerpunkt von Albert, Flad & Schlosshan ist die Beratung von ausländischen Unternehmen sowie die rechtliche Betreuung deutscher Firmen bei internationalen Aktivitäten.Thomas Riedel, Partner der Sozietät Gaedertz in Berlin, betont, daß zwischen den Fusionspartnern Gaedertz und Flad die "Chemie" stimmt.Und um den Neuanfang zu dokumentieren, verläßt auch Flad sein angestammtes Domizil in Frankfurt und zieht in die neuen Räume. Mit 120 Anwälten nur unwesentlich kleiner ist die neue Wirtschaftskanzlei Heuking Kühn Lüer Heussen Wojtek ­ und rückt in der deutschen Rangliste durch die Fusion auf Platz 6 vor.In Berlin mit sieben Anwälten vertreten, gehört die Sozietät Denton International an, einem länderübergreifenden Zusammenschluß von Großkanzleien.Die Allianz vereint so fast 700 Anwälte in 21 Büros in Europa und Asien. Thomas Riedel sieht noch weitere Zusammenschlüsse auf die deutsche Anwaltslandschaft zukommen."Mittelfristig" sei das "unumgänglich", um an weiteren Standorten Flagge zu zeigen."Übereilte Fusionen" seien allerdings nicht sinnvoll.Er rechnet mit zwei Jahren, die es nach der jetztigen Fusion braucht, um die unterschiedlichen Kulturen zusammenzubringen.Als "Nachholen, was im Ausland schon lange gelaufen ist", betrachtet Wolfgang Rosener die Fusionswelle.Bei zunehmender Spezialisierung hätten die Kanzleien gar keine andere Wahl, als sich zu vergrößern.Zudem verlangen Industriekunden heute oft äußerst zügige Arbeit.Das läßt sich nur mit einem größeren Personalstamm erledigen.So werden die Rechtsanwälte bei Gaedertz von über 300 Mitarbeitern unterstützt. Zukünftig, spekulieren Riedel und Rosener, werden wohl auch Anwalts-GmbHs in Deutschland ihren Platz finden.Dann werden die Sozietäten zu dem, was sie heute faktisch schon sind: Wirtschaftsunternehmen.Möglich, daß dann auch weitere Schranken fallen.So dürfen bislang Notare und Wirtschaftsprüfer nicht in einer Kanzlei zusammenarbeiten."Wichtig", betont Riedel, "ist aber immer noch der persönliche Service".Trotz immer mehr Anwälten in den einzelnen Sozietäten ist der Jurist überzeugt: "Wir werden keine Fabrik."

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