• Der Elektronikkonzern rechnet trotz lahmer Autokonjunktur mit Zuwachs - 1999 um sieben Prozent zugelegt

Wirtschaft : Der Elektronikkonzern rechnet trotz lahmer Autokonjunktur mit Zuwachs - 1999 um sieben Prozent zugelegt

Der Elektronikkonzern Robert Bosch GmbH hat 1999 den Umsatz stärker als erwartet gesteigert und rechnet im laufenden Jahr trotz der flaueren Autokonjunktur mit weiteren Zuwächsen. Firmenchef Hermann Scholl sagte am Mittwochabend in Stuttgart, der Umsatz der Bosch-Gruppe habe 1999 um rund sieben Prozent auf leicht über 54 Milliarden Mark zugenommen. Ursprünglich hatte Bosch nur einen Zuwachs um vier Prozent erwartet. Nach dem Gewinneinbruch 1998 habe nun auch das Ergebnis wieder zugenommen, es sei aber nicht befriedigend gewesen, sagte Scholl. Zahlen nannte er nicht. Für das laufende Jahr sagte der Firmenchef trotz der erwarteten geringeren Autoproduktion in Europa und Nordamerika für Bosch ein Umsatzplus von rund fünf Prozent voraus.

Scholl sagte, insbesondere die günstige Entwicklung in der wichtigsten Konzernsparte Kraftfahrzeugausrüstung habe zu dem Umsatzzuwachs beigetragen. Vor allem die Entwicklung im vierten Quartal 1999 sei überraschend gut gewesen. "Die Autoproduktion ging entgegen unserer Erwartungen stark weiter", sagte Scholl. So sei in den USA das Produktionsvolumen am Jahresende zehn Prozent höher gewesen als noch ein Jahr zuvor vorhergesagt. Bosch ist einer der größten Autozulieferer der Welt.

Durch die besser als erwartet verlaufene Umsatzentwicklung nahm auch die Zahl der Beschäftigten des Konzerns weiter zu. Zum Jahreswechsel beschäftigte Bosch rund 195 000 Menschen, 5500 mehr als ein Jahr zuvor. Von dem Zuwachs entfielen 1000 Stellen auf neu in der Bilanz enthaltene Firmen. Von den tatsächlich 4500 neu geschaffenen Stellen entstanden 2100 im Inland. Im laufenden Jahr rechnet Bosch nicht mit einem weiteren Stellenzuwachs. Üblicherweise reiche ein Umsatzplus von fünf Prozent nur aus, um bestehende Stellen zu halten.

Die Sparte Kraftfahrzeugausrüstung steigerte den Angaben zufolge 1999 ihren Umsatz um rund zehn Prozent auf 35 Milliarden Mark. Bosch habe dabei von der guten Autokonjunktur in Westeuropa und Nordamerika profitiert. Zu dem Zuwachs habe vor allem das Geschäft mit Navigations- und Einspritztechnik und dem Fahrstabilitätssystem ESP beigetragen. Der Umsatz mit Gebrauchsgütern legte nach den Angaben um zwei Prozent auf 11,6 Milliarden Mark zu.

Die Sparte Kommunikationstechnik, die Bosch weitgehend abgeben möchte, habe ihren Umsatz um rund fünf Prozent auf 5,3 Milliarden Mark erhöht, teilte Bosch mit. Dies sei auf den Umsatz im Geschäft mit Mobiltelefonen zurückzuführen, der sich verdoppelt habe. Die Bereiche Private Netze und Öffentliche Netze hat Bosch bereits verkauft. Mit dem Siemens-Konzern besteht eine Absichtserklärung, die die Übernahme der Funktelefon-Sparte von Bosch vorsieht. Siemens ist vor allem am Entwicklungsbereich interessiert, Bosch will auch die Fertigung abgeben. Er rechne mit einer Einigung in den nächsten Monaten, sagte Scholl. Die Gespräche liefen, und auch für eine Übernahme der Handy-Fertigung in Dänemark gebe es "aussichtsreiche Konzepte".

Zum operativen Gewinn sagte Scholl, vor allem durch die geringeren Verluste der Kommunikationstechnik und schwarze Zahlen bei Blaupunkt habe sich das Konzernergebnis 1999 im Vergleich zum Vorjahr wieder etwas verbessert. "Es war aber nach wie vor nicht befriedigend", sagte Scholl. So sei der Gewinn durch hohe Vorleistungen für neue Produkte im Kfz-Bereich belastet gewesen. 1998 war das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit der Bosch-Gruppe auf 1,8 (Vorjahr 2,795) Milliarden Mark gesunken, der Überschuss hatte sich auf 850 Millionen Mark fast halbiert. Für 2000 gab Scholl keine Gewinnprognose ab.

Bosch erwartet, dass die Produktion der Autohersteller in Nordamerika in diesem Jahr um drei oder möglicherweise sogar fünf Prozent sinken dürfte. In Westeuropa zeichne sich ein Produktionsrückgang um ein Prozent ab. Weltweit dürfte die Autoproduktion auf dem Vorjahresniveau verharren. "Wir erwarten eine Nullrunde", sagte Scholl. Nach dem überraschend guten Jahr 1999 zeichne sich nun doch eine leichte Abschwächung der Autokonjunktur in Europa und Nordamerika ab. Die jetzigen Prognosen seien fundierter als die für 1999, da nun die Autoindustrie nicht mehr von überhöhten Auftragsbeständen lebe.

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