Wirtschaft : Der Ertrag der Airline sinkt dramatisch

kol

Im Jahresvergleich büßte das Unternehmen 40 Prozent ein. Europäische Fluggesellschaften leiden unter Kapazitätsausweitung im Marktkol

Nach dem Rekordjahr 1998 müssen die europäischen Fluggesellschaften mit einem dramatischen Ertragsverlust in diesem Jahr rechnen. Der Grund: Fast alle Airlines haben ihre Kapazitäten ausgeweitet und mit Preisabschlägen um Marktanteile gekämpft. Die Deutsche Lufthansa bekommt jetzt die Quittung. Das operative Ergebnis schnellte im ersten Halbjahr um 40,4 Prozent nach unten. Auch Austrian Airlines traf es hart. Dort sank das Ergebnis der gewöhnlichen Betriebstätigkeit um 96 Prozent.

Noch im ersten Halbjahr 1998 hatte das Ergebnis bei der Lufthansa bei 969 Mill. DM gelegen. Jetzt ist es auf 578 Mill. DM gefallen. Entsprechend deutlich mussten die Lufthanseaten ihre Prognose für den Jahresgewinn vor Steuern zurückschrauben. Waren sie anfangs von einem Wert von zwei Mrd. DM ausgegangen, erwarten sie nun nur noch einen Gewinn vor Steuern von deutlich über einer Mrd. DM. "Wir waren fest davon überzeugt, dass wir die zwei Mrd. schaffen", sagte Finanzvorstand Karl-Ludwig Kley, "doch das Kapazitätswachstum im Markt hat unsere Vorstellungskraft überstiegen." Insbesondere auf den Nordatlantikstrecken hätten einige Airlines ihr Angebot um bis zu 30 Prozent ausgeweitet. Neben geplantem Wachstum hatten viele Gesellschaften wegen der Asienkrise Maschinen aus dem asiatischen Raum abgezogen und zusätzlich auf die nordatlantischen Rennstrecken geschickt.

Nach jahrelanger Zurückhaltung hat auch Lufthansa ausgerechnet in diesem Jahr ihr Sitzplatzangebot zu Zielen jenseits des Atlantiks deutlich ausgeweitet. Drei neue Ziele (Philadelphia, Detroit und Caracas) wurden in den Flugplan aufgenommen und zusätzlich kombinierte Passagier- und Frachtmaschinen in reine Passagierflugzeuge umgerüstet. Zwar konnte trotz dieser Ausweitung die durchschnittliche Auslastung der Maschinen geringfügig weiter verbessert werden. Doch die damit erzielten Erlöse sanken: im Europaverkehr um 5,5 Prozent, im Nordatlantikverkehr gar um 13 Prozent.

Insgesamt erreichte die Lufthansa einen Umsatz von 11,3 Mrd. DM, 3,8 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 1998. Gut die Hälfte der Investitionssumme von 1,55 Mrd. DM gab die Airline für neue Flugzeuge aus. Mit 21,1 Millionen transportierte die Airline trotz des widrigen Umfeldes im ersten Halbjahr 8,8 Prozent mehr Fluggäste, die Frachtmenge erhöhte sich um 3,5 Prozent auf 846 000 Tonnen. Die Zahl der Flüge stieg um gut sechs Prozent, die Auslastung lag mit 70 Prozent etwas höher als im ersten Halbjahr 1998. Bei den Aufwendungen musste die Airline vor allem für Gebühren mehr ausgeben, sie erhöhten sich die Gebühren erneut deutlich um 7,6 Prozent oder 139 Mill. DM auf fast zwei Mrd. Das erste Halbjahr dieses "Krisenjahrs" für die Branche, wie es Finanzvorstand Kley nennt, ist an der Lufthansa noch vergleichsweise glimpflich vorüber gegangen. Bei Austrian Airlines sank das Ergebnis von 392,6 Mill. Schilling auf nur noch bescheidene 13,2 Mill. Schilling. Als Sonderfaktor traf die AUA, die ein sehr stark ausgebautes Netz in Südosteuropa hat, die Auswirkungen des Kosovo-Kriegs besonders hart.

Auch bei Lufthansa-Partner Skandinavian Airlines System (SAS) ist der Vorsteuergewinn fast auf ein Drittel (53,8 Mill. Euro) geschrumpft. Hier hat sich besonders deutlich der Konjunktureffekt gezeigt. Mit den ausbleibenden Geschäftsreisenden blieben bei SAS viele Sitzplätze in der Business Class frei. Diese Klasse aber ist traditionell das Kerngeschäft der skandinavischen Fluggesellschaft.

British Airways baute gar - beflügelt durch die günstigen Rahmenbedingungen wie beispielsweise die billigen Treibstoffpreise - bereits im vergangenen Jahr sein Sitzplatzangebot um zwölf Prozent aus. Die Quittung folgte auch hier auf dem Fuß. Nicht nur das Jahresergebnis 1998 brach ein, auch der in der vergangenen Woche veröffentlichte Betriebsgewinn für das erste Quartal 1999 sank um 46 Prozent auf nur noch 94 Mill. Pfund (143,3 Mill. Euro). Kleinlaut verkündete daraufhin British-Airways-Chef Bob Ayling, die Fluggesellschaft werde die Kapazitäten in den kommenden drei Jahren wieder um zwölf Prozent verringern.
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