Wirtschaft : Der Euro bricht alle Rekorde

Gemeinschaftswährung klettert über 1,22 Dollar, doch Wirtschaftsforscher fürchten noch nicht um die Konjunktur

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Berlin (hop). Der Höhenflug des Euros setzt sich fort. Am Montag erreichte die Gemeinschaftswährung ein Allzeithoch. Die Europäische Zentralbank stellte den Referenzkurs bei 1,2218 Dollar fest – nach 1,2087 Dollar am Freitag. Bis zum Abend hielt sich die Gemeinschaftswährung deutlich über 1,22 Dollar. Analysten rechnen damit, dass der Dollar in den kommenden Monaten noch weiter an Wert verlieren wird. Die europäischen Börsen reagierten mit Kursabschlägen. Dagegen sind Volkswirte noch gelassen – und erwarten für Deutschland trotz der ungünstigen Währungsrelationen einen stärkeren Aufschwung im kommenden Jahr.

Der Deutsche Aktienindex (Dax) rutschte wieder unter die Marke von 3800 Punkten. Erst zum Handelsende konnte er die Verluste – dank freundlicherer US-Börsen – etwas begrenzen und schloss bei 3806,54 Punkten, ein Minus von 0,92 Prozent. Die Märkte fürchten, dass ein stärkerer Euro den Export von Europa in den Dollarraum so stark verteuern könnte, dass die Konjunktur leidet. Mit Spannung wird außerdem die Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed erwartet, die an diesem Dienstag tagt. Die US-Börsen setzten am Montag darauf, dass es keine Erhöhung geben werde. Der Dow Jones schloss auf dem Jahreshöchststand.

Die Skepsis der europäischen Märkte ist aus Sicht von Wirtschaftsforschern nur zum Teil berechtigt. In seiner Konjunkturprognose für 2004 rechnet das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) mit einer deutlichen Belebung der Konjunktur in Deutschland. Es bestätigte seine Prognose von 1,8 Prozent Wachstum. Vor allem der Export werde dazu beitragen. Das RWI verwies auf die guten Wachstumsdaten aus den USA, die zuletzt für das dritte Quartal veröffentlicht wurden. Außerdem sei das Wachstum in den osteuropäischen EU-Beitrittsländern und in Asien robust. „So stehen die Zeichen für ein Anhalten des Exportaufschwungs günstig, trotz der Aufwertung des Euro gegenüber dem Dollar“, schreibt das RWI in seiner Prognose.

RWI-Experte Roland Döhrn sagte dem Tagesspiegel, auch eine weitere Aufwertung des Euro werde das Exportwachstum nur hemmen, aber nicht zum Erliegen bringen. Zurzeit rechne er mit einer Zunahme der Ausfuhren um 5,6 Prozent. Steige der Euro auf 1,30 Dollar, werde der Wert wohl bei rund fünf Prozent liegen. Auch Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) wollte noch keine Gefahr erkennen: „Unser Export ist kräftig und wird mit der gegenwärtigen Situation fertig“, sagte er in Berlin. Allerdings forderte er von den asiatischen Ländern eine flexiblere Währungspolitik, damit nicht allein die europäischen Volkswirtschaften die Währungslasten zu tragen hätten.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ist ebenfalls optimistisch für das kommende Jahr. Konjunkturexperte Gustav Adolf Horn sagte dem Tagesspiegel: „Wir gehen mit höherem Tempo ins nächste Jahr als gedacht.“ Für das vierte Quartal 2003 rechnet das DIW mit einem Wachstum von 0,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Von Juli bis September hatte die deutsche Wirtschaft nur um 0,2 Prozent zugelegt, nachdem sie davor geschrumpft war. Horn erwartet aber, dass sich das Wachstum bei einem weiteren Euroanstieg abschwächt. „Jede Aufwertung tut weh“, sagte er.

Und es sieht nicht danach aus, als wenn der Euro bald wieder an Wert verliert. Ulrich Beckmann, Devisenexperte der Deutschen Bank, sagte dieser Zeitung: „Da ist noch einiges an Luft für den Euro drin. In einem halben Jahr dürften wir Richtung 1,30 Dollar gehen.“ Ähnlich sieht es Armin Mekelburg, Währungsanalyst der Hypo-Vereinsbank. Er sagte: „Langfristig ist der Dollar im Abwärtstrend.“ Die internationalen Anleger und Zentralbanken würden stärker diversifizieren – und sich dementsprechend etwas aus Dollar-Anlagen zurückziehen. Kurzfristig hält er sogar einen schnellen Anstieg des Euro auf bis zu 1,30 Dollar bis Jahresende für möglich, weil einige asiatische Zentralbanken zurzeit auf dem Markt aktiv sind. „Und bei einem schnellen Anstieg springen dann alle auf.“

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