Wirtschaft : Der Euro geht nach Osten

Wirtschaft begrüßt Aufnahme Sloweniens

Bernd Hops

Berlin - Ab Januar 2007 wird der Euro auch in Slowenien die offizielle Währung. Die Staats- und Regierungschefs der EU haben dem jetzt zugestimmt, die endgültige Entscheidung durch die EU-Finanzminister im Juli gilt als Formsache. Slowenien wird so das erste Land aus der Riege der osteuropäischen EU-Mitglieder, das in den Kreis der Euro-Länder aufgenommen wird. Der Schritt ist vor allem symbolisch. Für Slowenien, das den Tolar gegen den Euro eintauscht, ist es eine große Umstellung. Doch das wirtschaftliche Gewicht Sloweniens hält sich mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 22 Milliarden Euro – knapp ein Viertel der Berliner Wirtschaftsleistung – in Grenzen.

Andere osteuropäische EU-Länder wie die baltischen Staaten werden dem slowenischen Beispiel wahrscheinlich in den nächsten Jahren folgen. Eigentlich wollte Litauen schon zusammen mit Slowenien beitreten, die dortige Inflation ist der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank aber noch zu hoch. Jetzt wird das Jahr 2008 angepeilt.

Finanzexperten und die deutsche Wirtschaft sehen die Erweiterung des Euroraums positiv. „Die Währungsunion war und ist ein wichtiger Baustein der politischen und wirtschaftlichen Integration Europas“, sagte Niels Oelgart, Referatsleiter Geld und Währung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), dem Tagesspiegel am Sonntag. Für viele deutsche Unternehmen wäre ein Euro-Beitritt der Länder von Vorteil, weil sie im internationalen Vergleich besonders viel in Osteuropa investiert haben, sagte wiederum Werner Becker von Deutsche Bank Research.

Derzeit haben zwölf Länder den Euro. Während sich die alten EU-Mitglieder noch entscheiden konnten, ob sie den Euro tatsächlich einführen, gilt das nicht für die neuen Länder aus Mittel- und Osteuropa. Erfüllen sie die so genannten Konvergenzkriterien – also Mindestanforderungen etwa an die Staatsverschuldung, das Zinsniveau und die Entwicklung der Inflation – , dann müssen sie über kurz oder lang dem Währungsraum beitreten.

Für die Firmen in den bisherigen Euro-Ländern hat sich die gemeinsame Währung ausgezahlt. „Die Vorteile für die europäischen Unternehmen liegen auf der Hand“, sagte DIHK-Experte Oelgart. „Umtauschkosten und Wechselkursrisiken sind weggefallen, die Markttransparenz hat zugenommen. Größere Kapitalmärkte sind entstanden.“ Die gleichen Vorteile würde es dann auch bei neuen Mitgliedern geben.

Eine große Belastung für den Euro selber würde die Aufnahme etwa von Slowenien nicht bringen. „Slowenien zeigt einen beeindruckenden wirtschaftlichen Aufholprozess. Die Euroeinführung wird jedoch keine nennenswerten Auswirkungen auf die Preisentwicklung in der Währungsunion haben“, sagte DIHK-Währungsexperte Oelgart. Ähnliches gelte für die baltischen Staaten. Schließlich mache das BIP dieser Länder nur einen Bruchteil der gesamten Eurozone aus.

Die Fachleute begrüßen trotz der zunächst geringen Auswirkung, dass der zweite große Euro-Aspirant Litauen noch ein Jahr warten muss, weil die Kriterien noch nicht ganz erfüllt sind. „Die strikte Einhaltung der Konvergenzkriterien ist für die Glaubwürdigkeit der europäischen Geldpolitik wichtig“, sagte Oelgart. Deutsche-Bank-Experte Becker warnte: „Es wäre schlecht, wenn jetzt ein Auge zugedrückt würde.“ Es dürfe kein zweites Griechenland geben. Die Aufnahme des Landes zum Jahr 2001 war politisch erwünscht gewesen. Die Kriterien wurden relativ großzügig gehandhabt. Slowenien habe nun eine Vorbildfunktion, sagte Becker. Die Entscheidung über Litauen sende ein wichtiges Signal.

Die großen Länder wie Ungarn, Polen und Tschechien halten sich noch zurück. „Schwierigkeiten bei der Erfüllung der Konvergenzkriterien, aber auch Skepsis in der Bevölkerung verzögern die Euroeinführung“, sagte Oelgart vom DIHK. Deutschbanker Becker warnte, die Aussicht auf einen Beitritt müsse aufrecht erhalten bleiben. „Wenn die Finanzmärkte nicht mehr daran glauben, sind Währungsturbulenzen möglich.“

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