• DER EURO-INDIKATOR: WER IST WAHRSCHEINLICH BEIM START DABEI? - Die Anleger geben die Marschrichtung vor

Wirtschaft : DER EURO-INDIKATOR: WER IST WAHRSCHEINLICH BEIM START DABEI? - Die Anleger geben die Marschrichtung vor

IRIS HEMKER

Die Finanzmärkte lassen Rückschlüsse auf den Starterkreis der Europäischen Währungsunion zu LesehilfeVON IRIS HEMKER

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, daß die einzelnen Staaten an der Europäischen Währungsunion (EWU) teilnehmen? Die Ziffern in der Tabelle geben die Wahrscheinlichkeit einer termingerechten Teilnahme für die einzelnen Länder in Prozent an.Der Berechnung liegt das Kaufverhalten der Anleger an den Finanzmärkten zugrunde, denn man geht davon aus, daß dieses durch die Erwartungshaltung gegenüber dem Euro maßgeblich beeinflußt wird.Beobachtet wird insbesondere die Preisbildung für Anleihen an den Terminmärkten in Frankfurt, London und Paris.In der Tabelle fehlen Luxemburg, Griechenland und Irland - Luxemburg, weil es eine Währungsunion mit Belgien bildet, für die beiden anderen Staaten fehlt es an geeignetem Datenmaterial.Auch die Aussagekraft für Dänemark ist begrenzt, da die nötige Signifikanz seit längerem fehlt.Der Tagesspiegel veröffentlicht die Daten jeden Sonntag. FRANKFURT (MAIN).Wer wüßte nicht gerne, ob die Europäische Währungsunion (EWU) pünktlich zum 1.Januar 1999 kommt und wer von Anfang an dabei ist? Eine definitive Aussage hierüber wäre aber wohl nur von Wahrsagern zu bekommen.Fundierte Tendenzaussagen hingegen sind schon jetzt durchaus möglich.Hierzu hat Ralf Welge im Rahmen eines Promotionsvorhabens bei der Commerzbank einen sogenannten EWU-Wahrscheinlichkeitsindikator sowie länderspezifische Wahrscheinlichkeitsindikatoren entwickelt.Mit ihrer Hilfe lassen sich sowohl die Wahrscheinlichkeit für einen pünktlichen Start als auch die potentiellen Teilnehmer ablesen.Durch die Indikatoren werden die Erwartungen der Finanzmarktteilnehmer bezüglich der EWU zahlenmäßig zum Ausdruck gebracht. Grundlegende Annahme bei der Konstruktion der Indikatoren: Innerhalb eines gemeinsamen Währungsraumes gleichen sich die Renditen staatlicher Anleihen an.Diese Annahme resultiert zum einen aus dem Wegfall des Wechselkursänderungsrisikos durch die EWU und zum anderen aus dem Maastricht-Kriterium, wonach sich die Zinssätze der Teilnehmerstaaten anzupassen haben. Plant nun heute jemand, sein Geld in Staatspapieren potentieller EWU-Teilnehmer anzulegen, welche von 1999 an laufen, stellt er folgende Überlegungen an: Unterscheiden sich die betrachteten Staaten hinsichlich ihrer Bonität und Liquidität voneinander? Ist dies nicht der Fall, und geht er ferner davon aus, daß die betrachteten Staaten an der EWU teilnehmen werden, dann wird er nicht bereit sein, für diese Papiere unterschiedliche Preise zu bezahlen. Aus den Konditionen, zu denen solche Termingeschäfte abgeschlossen werden, kann man somit auf die Erwartungshaltung der Anleger schließen.Zur Berechnung der EWU-Wahrscheinlichkeit werden die Konditionen von D-Mark- und Ecu-Anleihen verglichen.Unterstellt wird hierbei, daß eine Währungsunion ohne Deutschland nicht denkbar ist.Je ähnlicher somit die Konditionen für die Termingeschäfte von D-Mark- und Ecu-Anleihen sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit für einen pünktlichen EWU-Start.Um die potentiellen Teilnehmerländer zu ermitteln, vergleicht man entsprechend die Termingeschäfte von Anleihen in der jeweiligen Landeswährung mit den Ecu-Anleihen. Aufgrund der Annahme, daß eine EWU ohne die Bundesrepublik nicht stattfinden wird, spiegelt die länderspezifische Wahrscheinlichkeit für Deutschland generell wider, wie wahrscheinlich man den termingerechten Start der Währungsunion überhaupt einschätzt.Als Teilnehmerländer werden derzeit Deutschland, Frankreich, Österreich, die Niederlande, Belgien, Spanien und Portugal gehandelt.Die Wahrscheinlichkeit für Italien ist zwar ebenfalls in den vergangenen Wochen gestiegen, aber sie liegt noch immer sieben Prozentpunkte unter derjenigen der sogenannten Kernländer.Noch unterschiedlicher beurteilen die Finanzmarktteilnehmer den pünktlichen Start von Schweden, Finnland und Dänemark.Weit abgeschlagen liegt Großbritannien mit einer Wahrscheinlichkeit von 3 Prozent.Durch die Vergleichbarkeit der Indikatoren im Zeitablauf gewinnt der gesamte europäische Konvergenz- und Integrationsprozeß erheblich an Transparenz.Die Schwankungen des Indikators kann man durch historische Ereignisse erklären: Während der Budgetdebatten in den EU-Ländern sinkt die Wahscheinlichkeit für einen pünktlichen Start, während sie anläßlich von EU-Treffen steigt.Hieran wird deutlich, wie sensibel die Teilnehmer an den Finanzmärkten auf Äußerungen der Politiker reagieren.

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