Wirtschaft : Der Euro ist so teuer wie vor zwei Jahren

Zins- und Konjunktursorgen treiben den Kurs

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Düsseldorf - Der Euro ist in der Gunst der Investoren weiter gestiegen. Die Aufwertung der europäischen Gemeinschaftswährung auf mehr als 1,34 Dollar beruht aber vor allem auf einer Schwäche der US-Währung. Den Dollar belasten zurzeit insbesondere die Sorgen über eine wirtschaftliche Abschwächung in den USA und damit verbunden die Spekulationen über die weitere Zinsentwicklung. Für viele Experten ist nun der Test des Allzeithochs vom 30. Dezember 2004 bei 1,3667 Dollar nur eine Frage der Zeit.

„Der Ausblick für den Dollar steht und fällt mit dem Ausblick für die amerikanischen Zinsen“, sagt Jürgen Michels, Deutschland-Chefvolkswirt der Citigroup. In den Mittelpunkt rückt daher in dieser Woche das Sitzungsprotokoll der US-Notenbank (Fed); die Marktteilnehmer erhoffen sich davon Aufschluss über die Zinsentwicklung.

Auch Stefan Schilbe, Chefvolkswirt von HSBC Trinkaus & Burkhardt, beobachtet den Zinsabstand zwischen Euro- Zone und Dollar- Raum. Die sich verringernde Zinsdifferenz ist für ihn neben einem „verhaltenen Konjunkturbild“ das Hauptargument für eine Dollarbaisse. „Euro/Dollar sehen wir zum Jahresende in einer Größenordnung von 1,40 Dollar“, sagt Schilbe. In diese Erwartung fließt wie bei der Citigroup eine erste Zinssenkung durch die Fed im September ein. „Die Fed wird in ihrer Geldpolitik etwas expansiver werden müssen, um gegenzusteuern“, sagt Schilbe. Nach seiner Einschätzung sei bei der US-Konjunktur die Talsohle noch nicht durchschritten. Mit einer gewissen Zeitverzögerung könnten noch Bremseffekte beim privaten Konsum auftreten.

Antje Praefcke von der Commerzbank rechnet ebenfalls damit, dass der Euro weiter steigen wird: „Es gab zuletzt keinen Grund, die Einschätzung der US- Wirtschaft komplett abzuändern.“ Grund für den festeren Euro werden laut Praefcke neben einer Zinssenkung in den USA ab August die Zinsanhebungen durch die EZB sein. Die Commerzbank rechnet mit zwei Zinsschritten, den ersten davon im Juni. Für die EZB-Sitzung in dieser Woche erwartet praktisch niemand eine Zinserhöhung.

Im zweiten und dritten Quartal werde der Euro bei 1,37 Dollar notieren, prognostiziert die Expertin. „Doch die 1,40 Dollar sehen wir nicht“, dämpft sie allzu hohe Erwartungen. Die Stimmung werde im Jahresverlauf noch einmal leicht zu Gunsten des Dollars drehen. Denn mit zwei Zinsanhebungen „wird die EZB zu viel machen“, glaubt Praefcke. Dies werde bei den Marktteilnehmern auf Skepsis stoßen.

Die Citigroup hat zwar erst kürzlich ihre Euro-Prognose nach oben revidiert, rechnet aber für dieses Jahr immer noch mit einer „Renaissance des Dollars“. Ende 2007 werde der Euro nur noch bei 1,27 Dollar notieren und bis zum nächsten Frühjahr weiter auf 1,24 Dollar fallen. Laut Michels sind „keine aggressiven Zinsschritte der US-Notenbank Fed zu erwarten“, dies werde den Dollar stützen. Sein Optimismus für den Dollar stützt sich zudem auf die Annahme, dass es in den USA zwar eine längere Periode der wirtschaftlichen Schwäche geben werde, aber keine Rezession. Zudem unterstellt die Citigroup, dass der Dollar gegenüber dem japanischen Yen und auch zum chinesischen Renminbi nachgeben wird. Ein Teil der Dollarschwäche würde damit über die asiatischen Währungen aufgefangen, rechnet die Citigroup aus.

Wenig Sorgen bereitet den Experten, dass eine wirtschaftliche Abschwächung in den USA in Europa Spuren hinterlassen wird. „Europa wird nicht unbeschadet weiter wachsen“, sagt Schilbe. Doch werde die dämpfende Wirkung der US-Konjunktur nicht mehr ganz so stark wie in der Vergangenheit sein; der Euro werde damit weniger belastet. „Europa steht zurzeit recht robust da“, unterstreicht Michels und verweist dazu auch auf die gefestigte Inlandsnachfrage, besonders für Investitionsgüter.

Eine wichtigere Rolle spielten zudem die sich entwickelnden Märkte (Emerging Markets) für Europa. „Da gibt es zurzeit wenig Signale, dass es dort zu einer Abschwächung kommen wird“, sagt Michels. Europa profitiere besonders von der Nachfrage der ölexportierenden Länder und aus Asien. „Das hat eine stabilisierende Wirkung auf die Exportdynamik“, sagt Michels. rp (HB)

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