Wirtschaft : Der Euro kommt: Interview: "Ein kleines Kunstgeschichtsbuch"

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Robert Kalina (46), Graphiker der Oesterreichischen Nationalbank, hat die Euro-Banknoten entworfen.

Herr Kalina, welches Gefühl ist es, demnächst mit seinem eigenen Geld zu bezahlen?

Das kenne ich schon von den Schilling-Banknoten. Für Österreich habe ich alle Geldscheine gestaltet, die seit 1982 in Umlauf sind. Aber zugegeben, Geldscheine für 380 Millionen Menschen anzufertigen, ist schon keine Kleinigkeit.

Sind Sie jetzt ein reicher Mann?

Für den Auftrag gibt es weder Preise noch Auszeichnungen. Auch auf das Copyright musste ich nach dem Vertrag verzichten.

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Ted: Der Euro - mehr Vor- oder mehr Nachteile? Warum haben Sie die Scheine nicht signiert?

Bei angestellten Grafikern ist das unüblich.

Wollten Sie schon immer Noten entwerfen?

Nein, aber ich wusste früh, dass ich keine Wegwerfprodukte herstellen würde.

Banknoten werden doch auch entsorgt.

Das ist nicht vergleichbar.

Wie sind Sie zu dem Auftrag gekommen?

Jede nationale Notenbank konnte 1996 bis zu drei Wertpapiergrafiker für die Teilnahme am Wettbewerb des damaligen Europäischen Währungsinstitutes nominieren. Da ich in Österreich der einzige Wertpapiergrafiker bin, fiel die Wahl auf mich.

Für die Geldscheine gab es Themenvorgaben. Wie kamen Sie auf Brücken und Tore?

Die Vorgabe lautete "Zeitalter und Stile Europas". Außerdem wurde verlangt, dass die Darstellungen keinen Bezug zu realen Baudenkmälern oder historischen Personen haben durften. Es ging darum, nationale Eifersüchteleien zu vermeiden. Darum wurde bewusst auf Wiedererkennbarkeit verzichtet. Ich konnte also zwischen Architektur und Porträts wählen. Da ich anonyme Porträts auf Banknoten wertlos finde, habe ich Geldscheine mit Fenstern, Toren und Brücken aus verschiedenen Zeiten entworfen. Mich reizte die Symbolik offener Tore und Fenster als Allegorie für die Suche nach Neuem. Die Brücken stehen für Kommunikation zwischen den Ländern. Die Auswahl soll Europa in seiner Gesamtheit symbolisieren, ohne ein Land hervorzuheben.

Wie groß war der Gestaltungsspielraum?

Begrenzt. Im Vordergrund stand, dass die Scheine fälschungssicher sein mussten.

Mit den Scheinen liefern Sie eine kleine Baustilkunde frei Haus. Bewusst?

Ganz bewusst. Wer die Noten nebeneinander legt, der hat ein kleines Kunstgeschichtsbuch vor sich. Angefangen von den Bauten der griechisch-römischen Antike als Hinweis auf die historischen Wurzeln Europas auf dem Fünf-Euro-Schein bis hin zum Fünfhunderter, auf dem Architektur aus dem Ende des 20. Jahrhundert gezeigt wird.Dazwischen finden sich Motive aus der Romantik, Gotik, Renaissance und dem Barock.

Welchen Schein finden Sie besonders gelungen?

Den Zwanziger, der ist schön blau.

Was machen Sie jetzt?

Ich arbeite an einem Banknotenentwurf für Bosnien-Herzegowina. Es wird dort die erste Banknote sein, die einheitlich für beide Volksgruppen gestaltet ist.

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