Wirtschaft : Der Euro krempelt den Rentenmarkt um

ROBERT LANDGRAF (HB)

Das Investmenthaus J.P.Morgan erwartet große UmbrücheVON ROBERT LANDGRAF (HB)An den europäischen Kapitalmärkten stehen große Umbrüche bevor, wenn der Euro die Währungsgrenzen einreißt.Das US-Investmenthaus J.P.Morgan rechnet mit einer verstärkten Verbriefung von Forderungen zu Lasten von Darlehen und Krediten.Wie Jan G.Loeys von J.P.Morgan unlängst auf einem Seminar in Frankfurt weiter betonte, geht er von einem starken Wachstum der Kapitalmärkte aus.Eine stärkere Diversifizierung sei in Europa zu erwarten.Das Handelsvolumen werde zunehmen, allerdings nur bei liquiden deutschen und französischen Staatsanleihen.Ansonsten sieht es für Staatstitel schlecht aus.Hochverzinsliche Unternehmensanleihen rückten in den Blickpunkt.Die Anlageprofis werden sich nach Einschätzung von Loeys in einem einheitlichen Währungsraum schwer tun, die Vergleichsmaßstäbe (Benchmarks) zu schlagen. Ein Gewinner infolge der anstehenden Umstrukturierungen an den Rentenmärkten steht für Loeys bereits fest: die Aktie."Ihr Gewicht in den Portfolios wird weiter zunehmen, da die Kurschancen bei Anleihen schrumpfen, die Renditen der Renten in der Nähe historischer Tiefststände liegen und Privatinvestoren sich stärker in Aktien engagieren." Trotzdem, auch bei Anleihen gibt es eine wichtige Verbesserung: Die Liquidität steigt im künftig größeren Kapitalmarkt.Investoren können also ohne Probleme hohe Rentenvolumina an- bzw.verkaufen.Gerade Staatsschuldner legen großvolumige Emissionen auf, um Konkurrenten im Wettbewerb um das Kapital auszustechen.Die durchschnittliche Emissionsgröße soll von 9 auf 15 Mrd.US-Dollar steigen. Höhere Liquidität sei indes nicht gleichbedeutend mit höheren Umsätzen.In Europa werden ausstehende Anleihen im Durchschnitt zwölf Mal (USA: elf Mal) im Jahr umgesetzt.Der Banker geht von einem fallenden Handelsvolumen aus, das durchaus um ein Viertel sinken könne.Die Umsätze würden sich in Benchmark-Anleihen konzentrieren.Infolge der in Rentenkontrakten sehr aktiven Deutschen Terminbörse sieht der Experte einen Vorteil für Bundesanleihen im Vergleich zu französischen Staatstiteln.Durch die insgesamt höhere Liquidität und die geringere Anzahl von Investmentalternativen sieht Loeys eine größere Bereitschaft der Anleger, auch in hochverzinsliche Renten mit geringerer Kreditqualität zu gehen.Wenn die Euro-Eurobonds künftig die gleiche Kreditbreite und -tiefe wie die Eurodollar-Bondmärkte erreichten, dann sei mit zusätzlichen Anleihen über 155 Mrd.US-Dollar mit bestensfalls guter ("A"-Rating) Investmentqualität in Euro zu rechnen. Auf den Anleger kommen ebenfalls schwerwiegende Veränderungen zu.Der einheitliche Währungsraum führe zu einem steigenden Kreditbewußtsein, unterstreicht der Banker.Investmententscheidungen würden vor allem auf der Beurteilung der Kreditrisiken basieren.Versicherern, die zu 80 Prozent im eigenen Währungsraum bleiben müssen, biete sich nunmehr ein deutlich breiteres Anlagefeld.Ein ähnliches Bild zeige sich bei Pensionsfonds.Die Folge: Staaten bzw.Bundesländer seien nicht mehr 100prozentig pleitensicher.Er verweist auf die Beispiele New York City und Orange County in den USA.In Europa sind nach den Worten Loeys im Durchschnitt 80 (Deutschland unter 60) Prozent der Staatsanleihen in den Händen heimischer Investoren.Das werde sich im Euroland ändern.Er geht im Zuge steigender Diversifizierung von 50 Prozent und weniger aus.Das heißt: Staatstitel im Wert von über einer Billion US-Dollar suchen neue Investoren.Allerdings mache steigende Liquidität und Tiefe den Euromarkt international attraktiver.Japaner hätten zudem den Vorteil, daß sich die Märkte nicht gleichlaufend entwickelten.

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