Wirtschaft : Der Euro-Kurs rutscht immer weiter ab

FRANKFURT (MAIN) (ro).Der Kurs des Euro ist am Mittwoch unter die Marke von 1,04 Dollar gerutscht.Die Europäische Zentralbank (EZB) stellte den Referenzkurz mit 1,0382 Dollar fest.Für den US-Dollar ergibt sich damit ein Kurs von 1,8838 DM.Ungeachtet der anhaltenden Euro-Schwäche will die EZB vorerst nicht am Devisenmarkt intervenieren.Die Leitzinsen blieben unverändert.

Die europäische Einheitswährung stürzte am Nachmittag in New York weiter ab.Gegen 17 Uhr 30 mitteleuropäischer Sommerzeit wurde ein Kurs von 1,0330 Dollar notiert.Die US-Währung kletterte damit in der Spitze auf einen Kurs von fast 1,90 DM - den höchsten Stand seit rund zwei Jahren.Trotz des neuen Rekordtiefs will die Europäische Zentralbank derzeit aber nicht am Devisenmarkt zugunsten des Euros intervenieren.Über eine Intervention spreche die Zentralbank nur, wenn es erforderlich werde.Und das sei derzeit nicht der Fall, sagte EZB-Präsident Wim Duisenberg am Mittwoch nach einer Ratssitzung der Währungshüter in Frankfurt (Main).Der EZB-Rat ließ die Leitzinsen mit 2,5 Prozent unverändert.

Die neuerliche Schwäche des Euros erklärten Händler unter anderem mit der Verzögerung der Belgrad-Reise der Unterhändler der EU und Rußlands im Kosovo-Konflikt.Danach hätten auch technische Faktoren ein Abrutschen der Währung begünstigt.

Wie Bundesfinanzminister Hans Eichel betonte auch Duisenberg, daß die derzeitige Schwäche des Euros nicht dramatisiert werden solle.Langfristig sprächen mehr Faktoren dafür, daß der Euro steige, als daß er falle.Als Gründe für die derzeitigen Kursverluste nannte er die unerwartet starke US-Konjunktur und den Kosovokrieg.Der Euro sei aber eine Währung, die durchaus Potential für einen höheren Außenwert habe.

Duisenberg äußerte sich zuversichtlich, daß die konjunkturellen Unterschiede zwischen den USA und Europa im Laufe des Jahres abnehmen.Die Bedingungen für eine Erholung im Euroraum seien günstig.Zugleich verlangte der EZB-Präsident von den EU-Finanzministern, den Stabilitätspakt strikt einzuhalten.Der Fall Italien, das von den Ministern die Erlaubnis erhalten hatte, die Haushaltsdisziplin zu lockern, müsse ein Einzelfall bleiben, sonst "hätten wir Anlaß zur Sorge".Nach den Worten des Bundesfinanzministers wird Deutschland seine Verpflichtungen aus dem Europäischen Stabilitätspakt einhalten.Eine laxe Haushaltspolitik schade dem Euro.Er werde alles daran setzen, nicht in die Lage Italiens zu kommen, sagte Eichel.

Nach Ansicht von fünf Wirtschaftswissenschaftlern - unter anderem die beiden Bonner Professoren Jürgen von Hagen und Manfred Neumann - könne erst einer weitere Abschwächung des Euro zu mehr Inflation führen.Noch bestehe aber kein Grund zur Besorgnis.Der Kurs stehe weitgehend im Einklang mit den fundamentalen Wirtschaftsdaten.

Allerdings machen die Professoren, die regelmäßig die Europäische Währungsunion beobachten, der EZB und deren Präsidenten Wim Duisenberg schwere Vorwürfe.Durch widersprüchliche Äußerungen über ihre Geldpolitik, über den Euro-Kurs, über Interventionen und durch mangelnde Transparenz sorgten die EZB-Oberen für Verwirrung.Auch dies habe den Euro geschwächt.Die EZB habe es nach Ansicht der Wissenschaftler bislang versäumt, sich eine Reputation einer soliden, mittelfristig orientierten und fest auf Preisstabilität ausgerichteten Notenbank zu erarbeiten.Das Ergebnis könne nur die Schwächung des öffentlichen Vertrauens in die Geldpolitik der EZB sein, schreiben die Professoren in ihrem jüngsten EMU-Monitor.

Nachdrücklich sprachen sich die Professoren auch gegen Interventionen zugunsten des Euro aus.Der Euro-Wechselkurs werde am besten durch den Markt bestimmt, das müsse auch die Sichtweise der EZB sein.Der Wechselkurs des Euro dürfe keine Bestimmungsgröße für die Geldpolitik sein.Die Europäische Zentralbank sollte weiter ihrer Pflicht nachgehen und die Preise stabil halten.Den Wechselkursen sollte die Aufgabe überlassen bleiben, einen weltweiten Ausgleich von internationalem Handel und Investitionen zu erreichen.

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