Wirtschaft : Der Euro macht die Anleger nervös

Henrik Mortsiefer

Mit dem Dollar hatte niemand gerechnet: Als am Freitag der Euro-Kurs zum ersten Mal seit April 2005 über die Marke von 1,31 US-Dollar kletterte, wurden die Anleger am Aktienmarkt nervös. Denn ein starker Euro-Wechselkurs belastet die Ausfuhren der exportstarken deutschen Wirtschaft in den Dollarraum. Der Dax rutschte zeitweise um 1,5 Prozent ab, erholte sich aber später wieder.

„Der Gegenwind von der Währungsseite nimmt derzeit wieder zu“, warnt Helaba Trust in seinem Wochenbericht. Die jüngste Dollarschwäche könne ein „Wetterleuchten für Aktien“ bedeuten. Die Gelassenheit der Börsianer – abzulesen an wichtigen Stimmungsindikatoren – mache anfällig. Zudem seien viele Investoren zuletzt noch auf den fahrenden Zug aufgesprungen, weil sie von den überraschend positiven Unternehmens- und Konjunkturdaten auf dem falschen Fuß erwischt worden seien. „Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht“, schreibt Helaba Trust. Dies, warnen die Experten, sei der denkbar ungünstigste Zeitpunkt. Also doch keine Jahresendrallye? Die DZ Bank schließt sie nicht aus, hält aber eine Kurskorrektur in den kommenden sechs Monaten wegen der schwächeren Weltkonjunktur für wahrscheinlich. „Wir empfehlen langfristig orientierten Investoren, trotz der kurzfristig verhaltenen Aussichten des Aktienmarktes investiert zu bleiben“, schreiben die Experten. In den kommenden zwölf Monaten sei ein weiterer Indexanstieg sowohl für den Euro Stoxx als auch für den Dax zu erwarten. Auch Sal. Oppenheim glaubt nicht, dass der kleine Ausverkauf am Freitag schon die Trendwende eingeläutet hat. Viele Marktteilnehmer hätten den gestiegenen Euro-Kurs nur zum Anlass genommen, um Gewinne mitzunehmen.

In der kommenden Woche, so glauben viele Beobachter, wird der Dax endlich die Marke von 6500 Punkten überspringen. 6497 Zähler hat er am vergangenen Mittwoch schon geschafft. Zum Ende der Berichtssaison werden Bayer (Montag) und Thyssen-Krupp (Freitag) Geschäftszahlen vorlegen. Außerdem steht der Monat Dezember vor der Tür, der im historischen Durchschnitt ein guter Börsenmonat ist. So hat der Dax seit seiner Einführung 1988 im letzten Monat des Jahres durchschnittlich 3,3 Prozent zugelegt – mehr als in jedem anderen Monat.

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