Wirtschaft : Der Euro probt die Wende

MARTINA OHM

Ist es eine Trendwende für den Euro - oder nur eine Verschnaufpause auf dem Weg in den Keller? Erstmals seit Wochen hat sich die europäische Einheitswährung am Donnerstag gegen den US-Dollar deutlich behaupten können und ist mit rund 1,08 Dollar zeitweise gleich zwei Cent über dem Mittwochskurs gehandelt worden.Ein Grund dafür ist sicher das G-8-Treffen zum Thema Kosovo.Erste Anzeichen dafür, daß der Krieg in Jugoslawien bald zu Ende gehen könnte, Hoffnungen auf eine diplomatische Lösung, haben dem Euro geholfen.

Es wäre höchste Zeit.Denn Europas Währung steht auch aus ökonomischen Gründen unter Druck.Die Wachstumsaussichten für die elf Staaten der Europäischen Währungsunion mußten mehrfach zurückgenommen werden.Dagegen scheint Amerika die Konjunkturlokomotive Nummer eins in der Welt zu bleiben.Dazu haben die Europäer im April noch einmal kräftig die Zinsen gesenkt - mit absehbaren Folgen: Das wachsende Zinsgefälle zu den Vereinigten Staaten hat dem Dollar noch mehr Kraft gegeben.

Wie geht es jetzt weiter? Vieles spricht dafür, daß der amerikanische Greenback auch in den kommenden Monaten Stärke zeigen wird.Die US-Konjunktur läuft ungebremst auf vollen Touren.Und es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis der US-Notenbankchef Alan Greenspan die Zinsen erhöht, um der Dynamik im Lande die Spitze zu nehmen und an der Börse für etwas Ruhe zu sorgen.Spätestens dann wird der Dollar erneut Europas Einheitswährung in den Schatten stellen.Wer an Europa und den Euro glaubt, muß einen sehr, sehr langen Atem haben.

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