Wirtschaft : Der Euro und die Reformen

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Von Martina Ohm

Von wegen Euro-Schwäche. Pünktlich zum Ferienbeginn sorgt Europas Gemeinschaftswährung bei vielen für gute Laune. Seit Wochen steigt der Euro-Kurs gegenüber dem Dollar. Die Parität zur US-Währung ist nur noch eine Frage der Zeit. Dann steht es eins zu eins; dann kostet ein Dollar einen Euro . Wen das Fernweh plagt und wer sich Urlaubspläne bislang verkniffen hat, sollte also noch mal nachrechnen. Denn Europas Gemeinschaftswährung macht die Ferien in Übersee, Asien oder Großbritannien zurzeit von Tag zu Tag billiger. Auch diejenigen, die zu Hause bleiben, dürften von der neuen Kraft der Währung mit der Zeit profitieren. Die Kosten für Importware, etwa Textilien aus Taiwan oder Hifi-Produkte aus den USA, aber auch Öl- und mithin Benzinpreise müssten deutlich sinken. Denn für einen Euro können sich die Importeure mehr leisten.

Also alles in Butter? Gibt es ein halbes Jahr nach der Euro-Bargeldeinführung keinen Grund mehr zum Lamentieren? Wenn die Rechnung so einfach wäre. Was sich auf den ersten Blick als vorteilhaft darstellt, kann sich bald schon als Nachteil entpuppen. Denn das jüngste Interesse am Euro ist mehr als ein Strohfeuer. Immer mehr Anleger kehren dem Dollar den Rücken. Zu gering ist das Vertrauen in die US-Volkswirtschaft, die ihren Aufschwung zunehmend auf Pump finanziert, zu groß die Verunsicherung nach der Enron-Pleite und die Furcht vor immer neuen Bilanzierungs-Skandalen.

Auf der einen Seite wächst das Interesse an Geldanlagen im Euro-Raum, auf der anderen Seite wird die deutsche Exportwirtschaft beeinträchtigt. Darum wird der starke Euro uns in diesem Jahr Wachstum kosten – und damit auch weitere Arbeitsplätze. Der Reformdruck auf dem Arbeitsmarkt und in den Sozialsystemen wird deshalb noch größer.

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