Wirtschaft : Der Euro verdirbt den Deutschen die Laune

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Berlin (brö). Die Deutschen haben noch immer kein Vertrauen in den Euro. Knapp sieben Monate nach der Einführung des neuen Bargeldes steht ihm noch immer jeder zweite Bundesbürger kritisch gegenüber und glaubt nicht an die Vorteile des Geldes. Dieses Ergebnis errechnete das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin aus Daten der Langzeit-Umfrage Sozio-ökonomisches Panel. Allerdings war die Ablehnung im Frühjahr 2001 noch größer als heute – damals gaben noch zwei von drei Befragten an, Bedenken gegenüber dem Euro zu haben. Damit liegen die Deutschen bei der Akzeptanz im europäischen Vergleich auf den hinteren Plätzen.

„An diesem Vorbehalt wird sich so schnell nichts ändern“, befürchtet Gert G. Wagner, Wirtschaftsforscher beim DIW. „Bis die Deutschen den Euro akzeptieren, wird es noch Jahre dauern. Die Skepsis sitzt extrem tief.“ Das zeigten die seit Jahren wenig veränderten Urteile der Bürger zur Einheitswährung. Schuld an dem Misstrauen ist nach Einschätzung des DIW nicht allein die so genannte Teuro-Debatte, also der Vorwurf, mit der Einführung der Euro-Scheine und -Münzen seien viele Waren und Dienstleistungen unangemessen teurer geworden. Dieser Eindruck beruhe auf „selektiver Wahrnehmung“ der Verbraucher, findet das DIW. Tatsächlich habe der Euro keinen Preisanstieg gebracht. Dies belege die amtliche Statistik.

„Die Unkenntnis über wirtschaftliche Zusammenhänge ist ein wichtiger Grund für die Zurückhaltung“, vermutet DIW-Experte Wagner. Die Vorteile durch das einheitliche Geld seien für viele Menschen nicht direkt zu begreifen. Deshalb könne die Urlaubs-Saison für eine höhere Akzeptanz des Geldes sorgen. „Der Vorteil, in zwölf Ländern des Euro-Raums mit einer einzigen Währung zahlen zu können, wird viele Konsumenten positiv stimmen“, erklärte Wagner. Das DIW schrieb in seinem jüngsten Wochenbericht vom Mittwoch zudem, „eine individuell positive wirtschaftliche Entwicklung und stabile Preise scheinen in Deutschland die wichtigste Voraussetzung für die Akzeptanz des Euro zu sein“.

Zu den Euro-Gegnern gehören den DIW-Berechnungen zufolge vor allem Menschen mit einem geringeren Bildungsstand. Nur 16 Prozent derer, die über Abitur oder Hochschulstudium verfügten, sorgten sich auf der anderen Seite wegen der Bargeld-Reform. Wer Wertpapiere wie Sparbriefe, Aktien oder Anleihen oder generell ein größeres Einkommen besitzt, steht dem Euro überdies noch aufgeschlossener gegenüber, weil er über Geld- und Wirtschaftsthemen besser Bescheid wisse, so das DIW. Und auch Ausländer aus EU-Staaten, die in Deutschland leben, trauern der Mark kaum hinterher. Von ihnen äußerten sich zuletzt nur 47 Prozent Euro-skeptisch. Ihre Bindung an die Mark als nationales Identitätssymbol sei weniger stark, heißt es beim DIW.

Für die Zurückhaltung der Deutschen sei außerdem der einfache Umrechnungskurs von D-Mark in Euro verantwortlich. Dadurch bleibe die Mark ständig im Bewusstsein der Konsumenten. Überdies verfälsche die vereinfachte Umrechnung von einem Euro in zwei D-Mark das Ergebnis und damit die Preisentwicklung enorm. „Dadurch überschätzen die Verbraucher den Preiseffekt allein schon um mehr als 2,25 Prozent“, bemängelt DIW-Ökonom Wagner. Die Präsenz der Mark werde in absehbarer Zeit nicht abnehmen. „Umrechnen werden die Deutschen noch jahrelang“, ist sich Wagner sicher.

Der Wochenbericht im Internet:

www.diw.de/deutsch/presse/index.html

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