Wirtschaft : Der Euro verschärft den Wettbewerb

ROLF OBERTREIS (MAIN)

FRANKFURT .In der Chemie- und Pharmabranche wird es nach Ansicht von Bayer-Vorstandschef Manfred Schneider in Zukunft weitere Großfusionen und große Firmenzusammenschlüsse geben - ähnlich wie unlängst in der Autobranche mit Daimler und Chrysler."Es wird dazu kommen, daß wir uns in größeren Einheiten bewegen", sagte der Manager beim 7.Deutschen Börsentag am Freitag in Frankfurt.Dabei könnte auch Bayer eine wichtige Rolle spielen.Vor kurzem machte an der Börse das Gerücht die Runde, Bayer und der schweizerische Pharma-Konzern Hoffmann La Roche wollten Hoechst übernehmen.Schneider dementierte diese Meldung gestern nicht ausdrücklich: "Lassen wir es bei diesem Gerücht."

Noch sieht Schneider allerdings zumindest mit Blick auf deutsche und US-Pharmakonzerne ein Problem für Zusammenschlüsse oder Übernahmen.Weder auf der einen noch auf der anderen Seite wolle man sich derzeit unterordnen, dazu seien die einzelnen Unternehmen allein zu stark.Faktisch machten aber nur Übernahmen Sinn.Auch die Ehe von Daimler und Chrysler sei keine Fusion, sondern eine Übernahme durch den deutschen Konzern.Daß in der Chemie- und Pharmasparte eine weitere Konsolidierung und Umstrukturierung unausweichlich ist, ergibt sich nach Ansicht des Bayer-Chefs allein schon daraus, daß die Branche noch immer wesentlich zersplitterter ist als andere Sektoren.In der Chemie habe das größte Unternehmen einen Weltmarktanteil von nur 2,5 Prozent, im Pharmabereich von nur fünf Prozent.Auch Bayer plant nach den Worten Schneiders weitere Firmenkäufe.

Auf den Euro und auf den härteren Wettbewerb sind die deutschen Chemie- und Pharmakonzerne nach Ansicht des Bayer-Chefs "bestens" vorbereitet.In Sachen Restrukturierung hätten sie in den letzten Jahren deutlich mehr getan als die US-Konkurrenz.Bayer habe seine Produktivität seit 1993 um fast ein Drittel gesteigert."Dadurch haben wir den steigenden Wettbewerbsdruck aufgefangen und das Ergebnis nachhaltig verbessert", meinte Schneider.Mit dem Euro erhielten die europäischen Chemie- und Pharmafirmen einen langersehnten Heimatmarkt, der den Dimensionen der USA entspreche.

Auch für die Finanzbranche ist der Euro eine höchst willkommene Entwicklung, die neue Chancen biete, aber auch den Wettbewerb verstärke, betonte Deutsche Bank-Vorstandssprecher Rolf Breuer auf dem Börsentag.Auch hier wird es nach Ansicht des Bankers weitere Übernahmen und Fusionen geben."Der überfällige Strukturwandel in der Finanzbranche wird durch den Euro forciert." Breuer warnte davor, daß die mit dem Euro verbundenen neuen Freiheiten durch neue staatliche Reglementierungen mit dem Hinweis auf den Verbraucherschutz eingegrenzt würden: "Die Kontrolle ist der Markt." Die Deregulierung müsse weitergehen.Weltweit würden die Finanzmärkte mehr und mehr in eine Kontrollfunktion hineinwachsen, sagte Breuer.Hier werde über die Glaubwürdigkeit von Politik entschieden.Insgesamt nehme die Souveränität der einzelnen Staaten durch die Globalisierung ab.

Der Euro wird sich nach Auffassung von Breuer schnell zu einer wirksamen Alternative zum Dollar entwickeln, im Devisenhandel, als Anlagewährung, im Kreditgeschäft und bei den Währungsreserven, wo die nationalen Zentralbanken schon heute ihre Position überdenken würden."Der Euro wird zu einer echten Option.Das führt auch zu mehr Stabilität und zu weniger Spekulation."

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